Der erste Blick in die Alte Akademie

von Redaktion

Exklusiv: Ein Besuch auf der Großbaustelle an der Münchner Fußgängerzone

Ein Blick in die Zukunft: So könnte das fertige Gebäude einmal aussehen.

Hans Hammer (r.) und Klaus-Martin Callhoff im Dachstuhl ihres Großprojekts.

Klaus-Martin Callhoff (l.) und Hans Hammer (r.) mit den Reportern Uli Heichele und Sascha Karowski.

Hinter diesem Durchgang liegt die Michaelskirche.

Arbeiten im Erd- und Untergeschoss.

Werkeln an der Zukunft der Alten Akademie: So sieht es hinter der markanten Fassade an der Fußgängerzone aus. © Astrid Schmidhuber (5), Signa

Schandfleck, Bauruine, Stillstand: Die Alte Akademie in unserer Fußgängerzone hat jahrelang für Negativschlagzeilen gesorgt. Bei diesem Gebäude in Bestlage war der Abriss schon weit fortgeschritten, als der Besitzer – René Benkos Immobilien-Konzern Signa – grad pleiteging. Ab dann war Stillstand. Und die Alte Akademie, die doch ein Schmuckstück der Stadt sein sollte, war nur noch ein graues Loch mit Fassade drumrum. Den Münchnern machte dieser Stillstand seit 2023 zu schaffen.

Dieser Zustand: Jetzt ist er vorbei! Jetzt wird wieder gehämmert, gebohrt, geschweißt und geflext, die Baustelle läuft wieder. Neues Leben für die Alte Akademie! Wir haben als erste Zeitung überhaupt einen Blick hinter die Gerüste mit dem Sichtschutz werfen dürfen.

„Es ist mit Sicherheit eine der komplexesten Baustellen, die ich jemals hatte“, verrät Projektentwickler Hans Hammer. Er ist Chef der Hammer AG, der gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus-Martin Callhoff den Rundgang anführt. Los geht es gleich neben der Kapellenstraße. Dort werden künftig Zulieferer für die Geschäfte und Restaurants einfahren.

Gleich hinter den mit Sichtschutz verhängten Gerüsten befindet sich die alte Fassade der Alten Akademie. „Das Gerüst dient ausschließlich der Stabilität“, sagt Hammer. Er hätte die markante grüne Fassade lieber abgerissen und in gleicher Form und Farbe wieder aufgebaut – allerdings isoliert, „was auch aus energetischer Sicht sinnvoll gewesen wäre“. Aber der Denkmalschutz ließ das nicht zu. Auch die alten Fenster müssen wieder rein.

Hinter den Fassaden sind Arbeiter gerade dabei, drei Stockwerke in die Tiefe zu graben. 18 Meter geht es runter. Dort ist künftig Platz für Tiefgarage und Haustechnik. Aus der Baugrube ragen Bohrpfähle – hier, wo früher mal der Hettlage war. In acht Metern Abstand verläuft die S-Bahn-Stammstrecke. Eine weitere Herausforderung. „Die große Sorge ist, dass sich hier etwas bewegt“, sagt Hammer. „Daher arbeiten wir mit Gürtel und Hosenträgern.“ Will meinen: Aufwendige Sicherheits-Technik mit Sensoren würde sofort registrieren, falls das Gelände ruckeln würde.

Das alles macht das Projekt kompliziert und teuer. Die Baukosten sollen höher sein als der Kaufpreis. Insgesamt kalkulieren die neuen Besitzer, eine Gesellschaft der Heinz-Hermann-Thiele-Familienstiftung, mit über 400 Millionen Euro. Die Immobiliengesellschaft der Stiftung, die OPES, hatte die Alte Akademie voriges Jahr erworben, die letzten Verträge sind erst vor wenigen Wochen unterschrieben worden. Ursprünglich gehörte das Gelände dem Freistaat Bayern.

Beim Umbau (Fertigstellung: 2029) wird sich Hammer an den ursprünglichen Plänen der Signa orientieren, einige kleinere Änderungen wird es bei der Aufteilung der Räume geben. Aber der historische Prunkhof soll nach wie vor für die Öffentlichkeit freigegeben werden, rundherum im Inneren ist Gastronomie geplant. In den Räumen zur Fußgängerzone hin könnten Geschäfte einziehen (lieber viele kleine als wenige große). Außerdem gibt’s Platz für Büros und Wohnungen – mit Bestblick über die Altstadt bis hin zur Theatinerkirche. Hammer denkt da allerdings nicht an Luxus-, Eigentums- oder Mietwohnungen. Wie das genau aussehen kann, ist noch im Entscheidungsprozess.SASCHA KAROWSKI, ULI HEICHELE

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