„Die Anteilnahme gibt uns Kraft“

von Redaktion

Nach Anschlag auf israelisches Restaurant Eclipse zeigen die Münchner Solidarität

Dankbar für den Zuspruch: Mitbetreiber Grigori Dratva.

Blumen-Geschenke gab es von Gästen und Nachbarn.

Bei dem Anschlag wurden Scheiben zerbrochen. Die Polizei hat den Bereich nach der Tat abgeriegelt.

Ein Zeichen setzen: Hunderte zeigten Solidarität bei einer Kundgebung am Freitagnachmittag. © Marcus Schlaf

Die Fensterscheiben zeigen tiefe Risse, sie sind notdürftig zusammengeklebt. Darunter ein Zeichen gegen die Zerstörung: Blumensträuße von Nachbarn und Gästen zieren die Fensterbank. Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt in der Nacht auf Freitag (wir berichteten) zeigen die Münchner Solidarität mit den Betreibern, auch bei einer Kundgebung. Aus der ganzen Welt melden sich Menschen. Einer der Eclipse-Betreiber, Grigori Dratva, sagt am Sonntag: „Die Anteilnahme gibt uns viel Kraft, das ist ergreifend.“

Die Tat hat weltweit für Aufsehen gesorgt: Unbekannte hatten das Restaurant in der Nacht zum Freitag nach Ladenschluss angegriffen. Derzeit gehen die Ermittler von einem antisemitischen Motiv aus. Die Täter beschädigten die Schaufensterscheiben des Lokals und warfen Feuerwerkskörper hinein. Anwohner hätten gegen 0.45 Uhr drei laute Knallgeräusche in der Heßstraße bemerkt und die Polizei verständigt. Verletzt wurde niemand.

In der Tatnacht hatte Grigori Dratva gedacht, dass die Gäste nun reihenweise ihre Reservierungen stornieren würden – aus Angst. „Aber wir spüren keinen Rückgang, wir sind gut besucht.“ Seit dem Anschlag geht es im Restaurant rund. Ständig klingelt das Telefon, immer wieder schauen Menschen vorbei, die Mut machen wollen. Dratva: „Wir kommen gar nicht hinterher, all die Mails, Anrufe und Nachrichten zu beantworten. Sogar aus Israel und Indien kamen Nachrichten.“

Grigori Dratva freut sich, dass „die Münchner Stadtgesellschaft stärker zusammenhält als gedacht“. Das zeigte sich bereits am späten Freitagnachmittag: Da kamen hunderte Münchner zum Tatort, um ihre Solidarität zu bekunden. Unter ihnen: der künftige Bürgermeister Dominik Krause, Stadträte und Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Krause hatte schon zuvor auf Instagram mitgeteilt, er habe die Nachricht vom Anschlag „mit großer Bestürzung“ erhalten. Ein antisemitisches Motiv sei „unerträglich. Ich hoffe, dass die Täter bald gefasst werden und die Stadtgesellschaft im Kampf gegen Antisemitismus noch näher zusammenrückt.“

Vor den Teilnehmern der Kundgebung sprachen spontan unter anderem der Organisator und Hochschulprofessor Guy Katz, Mona Fuchs von den Grünen und Kabarettist Christian Springer. Knobloch verwies darauf, dass es gut sei, dass man nicht so alleine sei wie damals. Guy Katz: „Ich habe 300 Personen angemeldet, aber meiner Meinung nach kamen über 500 – trotz der Kürze der Zeit. Ich freue mich über die tolle Resonanz.“ Nicht nur auf der Straße zeigten die Münchner Präsenz. Anwohner aus dem Viertel blickten aus ihren Fenstern hinunter und nahmen so teil. Eine Gruppe hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift „Nachbarschaft gegen Antisemitismus“. Der Mitinhaber Grigori Dratva berichtet, er habe auch viele Karten von Nachbarn erhalten. „Teilweise haben darauf alle Bewohner eines Hauses unterschrieben. Dieser Zusammenhalt – er hilft uns jetzt.“NINA BAUTZ

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