Der ICE blieb bei Wittenberge über einer Unterführung stehen. © Heiko Rebsch/dpa
München/Wittenberge – Zwei Menschen sind bei einem ICE-Zwischenfall auf der Strecke Berlin–München leicht verletzt worden. Sie seien an Bord wegen „Panik und Kreislauf“ kollabiert, sagte ein Sprecher des Landkreises. Eine vorsorglich aufgebaute Rettungsbasis im Bahnhof Lutherstadt Wittenberg sei aber letztlich nicht zur Versorgung von Verletzten benötigt worden. Der ICE mit 600 Reisenden war am Samstag kurz vor 12 Uhr Richtung Halle unterwegs, als bei Zahna-Elster (Landkreis Wittenberg) in Sachsen-Anhalt die Oberleitung riss und auf den Zug fiel. Mehrere Scheiben wurden dabei beschädigt. „Aufgrund der Lebensgefahr durch Kontakt mit dem Bahnstromnetz verzögerte sich die Evakuierung“, teilte die Polizei mit.
Die Weiterfahrt erfolgte laut der Deutschen Bahn später durch eine Diesel-Abschlepplok, die den voll besetzten Zug zum Bahnhof Lutherstadt Wittenberg zog. Der zunächst angedachte Einsatz von Bussen hatte sich wegen der zu beiden Seiten steilen Böschung als ungünstig erwiesen. Reisende im Zug klagten über mangelnde Informationen und stundenlange Warterei. Weil die Stromzufuhr gekappt war, funktionierte auch die Klimaanlage nicht, Toiletten fielen aus. Mehrere Reisende standen offenbar nur kurz vor einem Kreislaufkollaps.
Aus Sicherheitsgründen konnten lange Zeit die Zugtüren nicht geöffnet werden. „Die Sicherheit für die Fahrgäste hat in einem solchen Fall oberste Priorität“, sagte eine Sprecherin der Bahn der Deutschen Presse-Agentur. „Die Oberleitung der Bahn steht unter 15.000 Volt Spannung.“ Experten müssten erst die Situation vor Ort prüfen und die Oberleitung geerdet werden.
Am Sonntag wurde mit der Reparatur begonnen, die den ganzen Tag dauern sollten. Die Fahrzeiten der Sprinter verlängerten sich. Der Halt Lutherstadt Wittenberg entfiel, Ersatzhalt war Dessau.MM/DPA