Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten im Fahrdienst wieder zum Warnstreik aufgerufen. © Peter Kneffel
Nervig für die Münchner: Heute fährt wieder keine U-Bahn. Wann einigen sich die Parteien endlich?
Stillstand in der Stadt – schon wieder. Die meisten U-Bahnen, Busse und Trambahnen fahren heute wegen des MVG-Streiks nicht. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der MVG erneut dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Es ist der fünfte Streik innerhalb kurzer Zeit. Bisher hatten viele Fahrerinnen und Fahrer des städtischen Nahverkehrs am 2., 11., 27. und 28. Februar sowie am 18. und 19. März gestreikt.
Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen zwischen Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband Bayern (KAV). Der bisherige Tarifvertrag des bayerischen ÖPNV war Ende 2024 ausgelaufen. Nun verhandeln beide Seiten hart – einigen konnten sie sich bisher nicht. Morgen gehen die Verhandlungen in die fünfte Runde.
Die Gewerkschaft fordert drei zentrale Punkte: eine Reduzierung der Arbeitszeit, höhere Löhne (550 Euro mehr Brutto monatlich) und höhere Sonntagszuschläge (30 Prozent mehr). Von der ursprünglichen Forderung, die wöchentliche Arbeitszeit einer Vollzeitstelle von 38,5 auf 35 Stunden zu reduzieren, ist Verdi allerdings bereits abgerückt, erklärte Sprecherin Katharina Wagner. Eine Reduzierung will die Gewerkschaft aber nach wie vor. Die Gehaltsanpassung soll nach Forderungen Verdis in zwei Schritten passieren über eine Laufzeit von 24 Monaten. Rückwirkend zum 1. Januar 2026 würden Tarifbeschäftigte im Fahrdienst 400 Euro mehr bekommen, ab dem 1. Januar 2027 nochmal 150 Euro mehr. Für 2025 fordert Verdi keinen Ausgleich. Bisher verdienen Bus-, U-Bahn- und Tramfahrer als Einstiegsgehalt 2995,30 Euro brutto monatlich (ohne Zuschläge). Nach 15 Jahren im Fahrdienst ist mit 3544,95 Euro (ohne Zuschläge) die Höchststufe erreicht.
Außerdem will die Gewerkschaft eine Mindestruhezeit von elf Stunden zwischen Schichten im Tarifvertrag festschreiben. Die Beschäftigten bräuchten dringend Regelungen, „die im kräftezehrenden Schichtbetrieb für Entlastung sorgen“, so Verdi. Die harte Linie der Gewerkschaft scheint auf Zuspruch zu stoßen: Seit Beginn der Streikwelle im Februar habe Verdi in München einen Mitgliederzuwachs von knapp zehn Prozent verzeichnet, erklärt der Sprecher Haris Softić.
Und die Arbeitgeber? Sie kritisieren den Streik. Es handele sich „um eine erneute Eskalation zu Lasten der Fahrgäste, die nicht dem Stand der Verhandlungen entspricht“, so der KAV. Verdis Forderungen mit Kostensteigerungen von insgesamt über 20 Prozent seien „realitätsfern“. Ob sich beide Parteien morgen einigen, bleibt fraglich. Zumindest das Ende dieses Streiks ist klar: Mittwochfrüh um 3.30 Uhr.LEA SCHÜTZ