Der neue Arri-Besitzer Thomas Riedel vor dem berühmten Logo. © Riedel Group
Der wirtschaftlich angeschlagene Film-Kamerahersteller Arri kommt nach gut einhundert Jahren in neue Hände. Der 58-jährige Wuppertaler Unternehmer Thomas Riedel, Gründer, Inhaber und Chef der auf Live-Entertainment spezialisierten Riedel Group, übernimmt alle Anteile an dem Münchner Traditionsunternehmen. Seit seiner Gründung 1917 war Arri in Familienhand, seit 2012 zu 100 Prozent im Besitz der Stahl-Familie, also der Erben des Mitgründers Robert Richter. Arri hatte nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten monatelang einen Käufer gesucht. Der Wuppertaler Unternehmer überzeugte mit seinem Konzept, teilte Arri jetzt mit. Das Unternehmen bleibe eigenständig mit Hauptsitz in München.
Riedel gilt als Selfmade-Unternehmer aus dem Bergischen Land. Aus einem kleinen Verleihgeschäft machte er ein internationales Technologie-Imperium für Live-Kommunikation, expandiert nun durch die Arri-Übernahme auch in die Filmtechnik. Er wird künftig als Arri-Inhaber fungieren und nicht in die Geschäftsführung eintreten, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung.
Kernunternehmen der Riedel Group mit deutlich über 200 Millionen Euro Jahresumsatz ist die Riedel Communications, die Großereignisse in den Bereichen Sport, Unterhaltung und Medien betreut – darunter die Football-Liga NFL, Taylor-Swift-Konzerte, Olympische Spiele und die Formel 1. Riedel hat über 1000 Mitarbeiter an 23 Standorten weltweit und betreut nach eigenen Angaben pro Jahr über 3000 Veranstaltungen.
Eine erste große Premiere nach der Firmenübernahme von Riedel wird der Einsatz von Arri-Kameras beim Eurovision Song Contest im Mai in Wien sein.
Walter Stahl, der 83-jährige Arri-Geschäftsführer und Mitglied der Gründerfamilie, verweist darauf, dass die Firma mit dem Verkauf an Riedel in deutscher Unternehmerhand verbleibt. In enger Zusammenarbeit wollen Arri und Riedel neue Wachstumsfelder erschließen, vor allem im Bereich Live-Entertainment und Sport.
Stahl ging auf Käufersuche für Arri, nachdem der Kamerahersteller in den vergangenen Jahren auch durch eine Branchenkrise in Hollywood wiederholt in die Verlustzone geraten war. Arri reagierte mit einer umfassenden Restrukturierung und strategischen Neuausrichtung, wie dem Verkauf des Beleuchtungsspezialisten Claypaky, der Schließung der Standorte Stephanskirchen und Brannenburg sowie dem Abbau von weltweit 150 Stellen.
Arri ist eines der berühmtesten Unternehmen der weltweiten Filmbranche. Gleich mehrfach haben Produkte der Münchner Firma den begehrten Technik-Oscar gewonnen. Der Name „Arri“ leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründer-Namen Arnold und Richter her.GERHARD HEGMANN