Das Wort Tritscheln hab‘ ich jetzt schon lang nicht mehr gehört. Das kann vielleicht daran liegen, dass es die Leute um mich rum sowieso nicht mehr so eilig haben, aber vielleicht stirbt es auch aus. Dabei sind gerade Wörter mit „eln“ am Schluss so besonders sympathisch. Nicht nur die bairischen. Das hochdeutsche Trödeln tritschelt dem Tritscheln ja in nichts hinterher. Und der genau gegenteilige Ausdruck, das von Hans Moser bekrittelte Hudeln, klingt viel charmanter als Antreiben, Hetzen oder Druck machen.
Das „Eln“ hat oft einfach was Gschlampertes, Planloses, angenehm Unambitioniertes. Es zeigt einen Mangel an Spannkraft. Den Menschen, die häkeln, nageln oder hobeln, soll hier nicht ihr protestantischer Arbeitstrieb abgesprochen werden. Aber vieles, was sonst unter dem Oberbegriff Wurschteln einsortiert wird, klingt eben drum völlig unsortiert. Fummeln, Stöpseln, ja, sogar das Popeln. Quengeln und Sticheln hört sich nicht nach konstruktiver Kritik an. Wer lümmelt, sitzt nicht gscheit, wer tingelt, ist nicht auf Stadiontour, wer deutelt, weiß es nicht genau. Und wenn Gäste eintrudeln, dann höchstwahrscheinlich völlig ohne vorheriges Konzept.
Wer mal einen Fisch angelt, ist noch lang kein Fischer, die sanitäre Fachkraft pritschelt nicht, auch wenn es manchmal so ausschaut. Und ein Arbeiter sagt nicht in der Früh: „Ich geh jetzt in die Fabrik zum Werkeln.“ Ein studierter Techniker würde sich für das Lob „Glückwunsch! Da haben Sie aber ein schönes Tablet gebastelt“ schön bedanken. Für kleinteilige Arbeiten gäbe es noch Rumfieseln, auch ein schöner bairischer Ausdruck, den der Mikrochirurg für seine Tätigkeit aufs Schärfste zurückweisen würde. Die meisten Eln-Begriffe klingen derart wenig berufsmäßig, dass es fast schon ins Stümpern ragt. Und ein Wort mit „ern“ ist ja sicherlich eine Steigerung. Stänkern klingt gewaltbereiter als Nörgeln, und Hampern verwerflicher als Hampeln. Apropos: Das Wort Hamperer hab ich auch schon lang nicht mehr g‘hört.