Volt-Aus: Das plant Dominik Krause

von Redaktion

Designierter OB muss nach neuem Koalitionspartner suchen – Heute erste Gespräche

Für das Geschenk hat Dominik Krause noch keine Verwendung. Münchens Grünen-Chefs Svenja Jarchow und Florian Siekmann hatten dem designierten OB nach dessen Rede eine Fahrradtasche überreicht. Jetzt braucht er noch ein Fahrrad. „Wie ihr alle wisst, ist meines geklaut worden“, sagte Krause beim Parteitag im Konferenzraum des Holiday Inn nahe dem Gasteig am Samstag. Tatsächlich war dem Bürgermeister bereits im Winter vorigen Jahres sein Drahtesel vor seiner Wohnung entwendet worden. „Ich hatte noch keine Zeit, mir ein neues zu kaufen.“

Hinter Krause und den Grünen liegen Wochen harter Arbeit. „Wir haben immer gesagt, es ist der Wahlkampf unseres Lebens“, sagte Krause und lachte. „Das war zwar ein Running Gag, aber am Ende war es das. Es war der Wahlkampf unseres Lebens.“ Am Ende dieses Superlativs stehen zwei Dinge fest: Die Grünen bleiben stärkste Kraft im Münchner Rathaus. Und mehr noch: Sie werden erstmals den OB stellen.

Und ja, auch Krause hätte gern ein Geschenk mitgebracht am Samstag. Gute Nachrichten. „So in Richtung Koalitionsverhandlungen. Aber ihr werdet mitbekommen haben, dass Volt die Gespräche beendet hat“, sagte Krause. „Das bedaure ich sehr.“ Wie berichtet, hatte Volt am Donnerstag zunächst erklärt, die Sondierungsgespräche zu beenden. Offenbar hatte die Partei zu viel gefordert, gerade beim Personal. Da waren Grüne und SPD am Ende nicht mehr zu Zugeständnissen bereit. So manch politischer Beobachter moniert nun, dass Volt in München eine Chance verpasst habe, sich erstmals überhaupt in einer nennenswerten Kommune in Regierungsverantwortung zu bringen und sich dadurch für höhere Weihen zu empfehlen.

In den Sozialen Medien zieht die Volt-Volte Tadel nach sich. Auf dem eigenen Instagram-Kanal wurde harsche Kritik am Vorgehen von Volt und deren Chef Felix Sproll laut – vor allem auch von Parteikollegen und Mandatsträgern aus anderen Städten. Das ging offenbar auch an Sproll und Volt nicht spurlos vorbei. Die Partei hatte am Freitag noch mal darauf hingewiesen, zwar aus den Sondierungsgesprächen ausgeschieden zu sein, aber natürlich nach wie vor für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Krause sagte am Samstag, man habe inhaltlich nicht weit auseinandergelegen. „Es gab keine großen Kontroversen.“ Er wolle nicht zu sehr ins Detail gehen. „Aber wir Grüne und auch die SPD sind Volt immer wieder entgegengekommen, teilweise über die Schmerzgrenze gegangen.“ Aber immer dann, wenn eine Einigung unmittelbar bevorstand, seien auf einmal neue Forderungen auf den Tisch gekommen. Auf dem Parteitag haben die Grünen auch einen neuen Vorstand gewählt: Fabian Sauer (35) löst Florian Siekmann ab. Mit-Vorsitzende Svenja Jarchow wurde im Amt bestätigt.

Ab heute werden die Grünen mit der CSU und mit FDP/Freie Wähler reden. Vorgespräche seien „sehr angenehm und vertrauensvoll verlaufen“, so Krause. Ziel müsse es sein, schnell eine Koalition zu formen, die sich den Herausforderungen stelle. Und die oberste heißt: den Haushalt zu konsolidieren. Da wird es in erster Linie ums Sparen gehen. Das klingt nach viel Arbeit. Zeit, ein neues Fahrrad zu kaufen, sollte dennoch sein.SASCHA KAROWSKI

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