Heißer Tanz um den Opernball

von Redaktion

Landtags-Grüne kritisieren die geplante Finanzierung des Gärtnerplatz-Projekts durch die Landespolitik

Der Ball soll im Gärtnerplatztheater steigen. © Achim Schmidt

Braucht München zusätzlich zur Ballsaison im Deutschen Theater oder im Bayerischen Hof wirklich ein weiteres solches Event? Diese Frage beschäftigt seit der Ankündigung des im Mai 2027 geplanten Opernballs am Gärtnerplatztheater auch die Politik. Für Intendant Josef E. Köpplinger ist die Antwort ein klares Ja! Genau wie für Kunstminister Markus Blume (CSU), der das Vorhaben unterstützt.

„Das Warum muss man aber auch erklären“, schob Köpplinger jüngst beim Pressegespräch zur neuen Saison hinterher. „Weil es für andere Menschen vielleicht viel wichtigere Dinge gibt, die ebenfalls subventionsbedürftig sind.“ Er betont daher, dass es sich nicht um ein weiteres elitäres Bussi-Bussi-Schaulaufen handeln soll, sondern um ein Fest für alle Münchner.

Kritische Töne kommen mit Blick auf die Finanzierung von den Grünen im Landtag, wo in diesen Tagen die Verabschiedung des Haushalts für die kommenden beiden Jahre ansteht. Im Rahmen der sogenannten Fraktionsreserve, über die die Regierungsfraktionen verfügen, wollen CSU und Freie Wähler 550.000 Euro einstellen, um mit dem Ball 2027 „eine neue Tradition“ zu begründen, wie es im Antrag heißt. Grünen-Haushaltspolitikerin Claudia Köhler betont ausdrücklich, dass sie nichts gegen die Veranstaltung an sich habe. Sie frage sich aber, ob das wirklich Aufgabe der Landespolitik sei – besonders in Zeiten, in denen bei vielen Menschen das Signal ankomme, sie müssten „den Gürtel enger schnallen“.

Im Antrag der Regierungsfraktionen ist festgehalten, dass der Ball „keine Kopie des Wiener Opernballs sein“ solle, „sondern auch unverkennbar münchnerische bzw. bayerische Züge tragen“. Die Mittel seien „insbesondere für den Aufbau einer für die Veranstaltung von Opernbällen benötigten Infrastruktur bestimmt“.

Köpplinger spricht von einer „Liebeserklärung an das Leben mit Kunst und Kultur“, die sein Ensemble im Mai kommenden Jahres mit einem bunten Gala-Programm zelebrieren will. Inklusive einer öffentlichen Generalprobe, die am Vorabend auch jenen zugänglich gemacht wird, denen der Ball selbst vielleicht eine Spur zu luxuriös daherkommt. „Die Bühne und das Theaterparkett verwandeln sich für einen Abend in eine Tanzfläche unter dem majestätischen Kronleuchter des Theatersaales“, heißt es auf der Seite des Gärtnerplatztheaters, wo sich Interessierte bereits für einen Ticketalarm zum Vorverkaufsstart für die Termine von Freitag, 14. Mai, bis Sonntag, 16. Mai 2027, registrieren können.

Parallelen zum Wiener Opernball will auch Intendant Köpplinger nicht ziehen. Trotzdem hat man sich dort die Nutzung des Theaters für den Tag danach abgeschaut. Wie in Österreich wird dann auch am Gärtnerplatz das Haus für Familien geöffnet – zum Sitzkissen-Konzert von „Peter und der Wolf“.TOBIAS HELL, SEBASTIAN HORSCH

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