MÜNCHNER FREIHEIT

Nette Begegnungen auf Krücken

von Redaktion

Wer derzeit auf Krücken und noch zusätzlich mit einem Airwalker, einem monströsen Plastik-Stiefel zur Ruhigstellung des Fußgelenks, durch München humpelt, der freut sich zunächst einmal ganz besonders über den Frühling. Noch vor fünf Wochen, als mein linker Knöchel seinen Streik begann, hatten sich Gehwege morgens häufiger durch Schnee und Eis in gefährliche Hindernisstrecken verwandelt.

Es reicht ja schon, wenn man sich mit den Gehhilfen durch den Alltag stemmen muss. Aber auch noch bei jedem Schritt Angst zu haben, auszurutschen und samt violetter Stützen durch die Luft zu rudern, ist eine echte Herausforderung.

Bei allen Einschränkungen und Beschwernissen habe ich als Kurzzeit-Behinderte aber auch häufig richtig nette Begegnungen. Am Samstag erst, beim örtlichen Metzger. Alles eingekauft fürs Wochenende, extra den Rucksack aufgeschnallt, damit ich Fleisch, Wurst und Käse auf dem Rücken heimtragen kann. Derzeit dauert alles leider etwas länger: Erst einmal das Gleichgewicht sichern, die Krücken an die Seite stellen, die Geldbörse aus dem Wimmerl kramen. Während ich die Rechnung bezahle, merke ich schon die wachsende Schlange von Kunden in meinem Rücken. Wie unangenehm! Jetzt schnell die Einkäufe schnappen und in den Rucksack packen. Dafür muss ich aber erst einmal das Trumm vom Rücken zerren, doch die Gurte verheddern sich mit dem Riemen der Bauchtasche. Verflixt, das dauert wieder!

„Darf ich Ihnen Ihre Einkäufe in den Rucksack packen“, fragt der junge Mann, der neben mir steht. Den Retter hat mir der Himmel geschickt! Nach meiner dankbaren Einwilligung füllt sich der Rucksack ratzfatz. „Ich kenne das“, sagt der freundliche Zeitgenosse und zeigt auf die Schiene, die sein linkes Bein stützt. „Vor ein paar Tagen musste ich auch noch an Krücken gehen.“ Leidensgenossen helfen einander!

Nicht nur, dass mir der junge Mann unkompliziert geholfen hat – er hat mir auch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Bei allen Hindernissen und Beschwernissen gibt es sie doch noch, die freundlichen Geister, die einem das Leben etwas leichter machen können. Wenn ich Krücken und Schiene los bin, werde ich auch mit noch wacherem Blick unterwegs sein.