Gibt’s auf der Wiesn bald Kölsch-Kränze? Die Brauerei Gaffel wäre bereit! © IMAGO/Arne Amberg
Tegernseer-Chef Christian Wagner (r.) will sein Bier nicht nur kastenweise verkaufen – sondern auch im Festzelt.
Masskrüge mit Tegernseer lassen sich auch gut im Bierzelt servieren, wie dieses Foto beweist. © THOMAS PLETTENBERG
Wirbel auf der Wiesn – jetzt wittern viele ihre Chance auf einen Platz auf dem größten Volksfest der Welt.
Wie unsere Zeitung exklusiv berichtete, stellt Münchner-Stubn-Wirt Alexander Egger die Vergabepraxis auf dem Oktoberfest infrage. Er will von Behörden und Gerichten klären lassen, ob Standplätze EU-weit ausgeschrieben werden müssen – und nicht mehr von der Stadt. Viele befürchten: Das könnte auch das Bier betreffen. Bislang dürfen nur Münchner Brauereien ausschenken. Doch manche munkeln schon vom „Guinness-Zelt“, der „Kölsch-Festhalle“ oder der „Budweiser-Schänke“.
Aber: Wollen auswärtige Brauereien überhaupt aufs Oktoberfest? Oh ja! Der Chef der Tegernseer Brauerei, Christian Wagner: „Sofern die Rahmenbedingungen passen, würden wir die Möglichkeit nutzen und uns für ein Bierzelt auf der Wiesn bewerben.“ Und zwar „für ein sehr traditionelles Zelt“, so Wagner, in dem „bayerische Tradition“ und die Kultur der Liberalitas Bavariae (in etwa: Leben und leben lassen) Berücksichtigung finde.
Für den Tegernseer-Chef heißt das nicht, dass alle Brauereien auf die Wiesn sollen: „Das Fest hat schließlich einen sehr traditionellen und geschichtlichen Hintergrund und dieser sollte auch im Bereich der Biere erhalten bleiben.“ Wagner würde das Schankrecht auf der Wiesn auf „Münchner Brauereien und Brauereien, die eine geschichtliche Verbindung haben“ ausweiten – zu denen er natürlich seine zählt. „Bekanntlich ist das Oktoberfest auf ein Hochzeitsfest für die bayerische Bevölkerung zurückzuführen – zur Trauung von Kronprinz Ludwig, einem Wittelsbacher, und der Sachsenprinzessin Therese im Jahre 1810. Insofern hätten wir als Herzogliches Brauhaus Tegernsee durchaus einen geschichtlichen Hintergrund, die Biere auf dem Oktoberfest zum Ausschank zu bringen.“
Auch die Kölsch-Brauerei Gaffel hat Blut geleckt. Marketing-Chef Thomas Deloy: „Ähnlich wie bei uns der Kölner Karneval ist das Oktoberfest eines der herausragenden Ereignisse überhaupt. Eine Teilnahme wäre für uns auch als Kölsch-Brauerei von großem Interesse. Zudem sind wir überzeugt, dass Kölsch – als eine Sorte, die weltweit getrunken wird – für das Publikum spannend ist.“ Die Wiesn solle sich für alle öffnen: „Entscheidend sollten die Qualität, die Idee und das Angebot sein, nicht ausschließlich der Standort der Brauerei.“
Deutschlands größte Brauerei-Gruppe Radeberger (mit Marken wie Berliner Kindl, Dortmunder Union oder Jever) hat keine Ambitionen: „Wir können uns aktuell nicht vorstellen, mit einer unserer Marken einen Ausschank auf dem Oktoberfest zu unterhalten“, so eine Sprecherin. „Wir haben großen Respekt vor der langen Tradition und dem Brauchtum, für die das Münchner Oktoberfest steht. Es ist ein Fest Münchner Braukunst.“T. GAUTIER