Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler kritisiert den Mindestpreis– die Branche der Taxler begrüßt ihn hingegen als Schritt für faireren Wettbewerb. © Marcus Schlaf
Die Taxikommission der Stadt möchte einen Mindestpreis für Uber und Co. (s. Kasten). Damit kommt sie der Taxibranche entgegen, die sich in einem ungerechten Preiskampf sieht. Befürworter des Vorschlags versprechen sich faireren Wettbewerb und bessere Arbeitsbedingungen, Gegner steigende Preise. Was sagt Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler?
Herr Weigler, wie stehen Sie zu einem Mindestpreis?
Die Leidtragenden werden auf jeden Fall in erster Linie die Nutzer sein. Der Vorschlag, der jetzt auf dem Tisch liegt, würde dazu führen, dass Fahrten mit Diensten wie Uber im Schnitt um 40 Prozent teurer werden.
Können Sie Beispiele nennen?
Eine Fahrt von Schloss Nymphenburg zur Allianz Arena kostet derzeit etwa 24 Euro. Mit Mindestpreis wären es rund 34 Euro. Vom Hauptbahnhof zum Klinikum rechts der Isar steigt der Preis dann von etwa 14 auf 20 Euro.
Aktuell orientieren sich die Preise an der Auslastung. Wie würde sich das verändern?
Es führt dazu, dass unsere Partner bei sehr niedriger Auslastung diese günstigeren Preise nicht mehr auf unserer Plattform anbieten können und stattdessen durchgehend höhere Preise gelten würden. Wir befürchten, dass die Kunden dann einfach sagen: Das kann ich mir gar nicht mehr leisten.
Gleichzeitig gibt es auch jetzt schon Phasen, in denen die Preise bei Uber und Co. höher sind.
Das stimmt, es gibt Stoßzeiten, in denen die Preise schon jetzt über dem vorgeschlagenen Mindestpreis liegen oder sich ihm annähern – etwa am Maximiliansplatz um 1 Uhr nachts, wenn alle Bars und Clubs schließen. Aber weit mehr als die Hälfte der Fahrten würde um die besagten 40 Prozent teurer werden.
Sie kritisieren die Entscheidung: Was schlagen Sie stattdessen vor?
Wir wollen einen Kompromiss, auch um das Risiko rechtlicher Unsicherheiten zu vermeiden. Wir wissen, dass sich unser Generalunternehmer eine Selbstverpflichtung etwa bei der Preisgestaltung vorstellen kann – mit einem Tarifkorridor. Eine Idee kann sein, sich in der Mitte zu treffen. Das Ziel: Unsere Preise sollen künftig rund 25 Prozent unter den vorgeschlagenen Mindestpreisen liegen können.
Der Mindestpreis wird als Reaktion auf den ruinösen Wettbewerb in der Branche aufgeführt. Kritiker sprechen von „Kampfpreisen auf dem Rücken der Fahrer“. Was sagen Sie dazu?
Ich teile das nicht. Was oft aus den Augen verloren wird, ist, dass sich das Taxigewerbe inzwischen auf einem Niveau bewegt, das sich normale Menschen kaum noch leisten können. München gehört zu den drei teuersten Taxi-Städten Europas. Ich halte es für einen Irrweg, dieses Problem dadurch lösen zu wollen, dass man nun die Preise für den Rest der Branche anhebt.
Gleichzeitig gibt es die Kritik, dass manche Ihrer Partner arbeitsrechtliche Standards wie den Mindestlohn unterlaufen – auch vom Kreisverwaltungsreferat.
Das eine ist: Können Unternehmen mit den Umsätzen, die über Dienste wie Uber erwirtschaftet werden, ordentlich arbeiten? Die Antwort ist: Ja. Das andere ist, ob sich jeder einzelne Flottenpartner in jeder Situation an die Regeln hält. Deshalb nehmen wir die Vorwürfe des KVR sehr ernst. Unser Vorschlag ist daher, gemeinsam mit der Stadt einen abgestimmten Ansatz zu verfolgen. Wir wollen unsere Partner noch stärker überprüfen, um sicherzustellen, dass sie alle Vorschriften einhalten.