Auf geht‘s, Herr OB!

von Redaktion

Krauses erster Amtstag: Besuch beim Maibaumaufstellen

Anstoßen auf die Zukunft: Krauses erstes Bier als Oberbürgermeister beim Maifest in Bogenhausen. © Fotos: Michaela Stache

Die Arbeit als OB beginnt offiziell bei bestem Sonnenschein: Dominik Krause vor dem Maibaum des SV Helios Daglfing.

Dominik Krause kneift die Augen zusammen und blickt zu den bunten Tafeln hinauf, zum Kranz an der Spitze. Vor ihm ragt der weiß-blaue Koloss in den Himmel, 28 Meter hoch: der Maibaum des SV Helios Daglfing. Unten steht Krause, in Janker und Jeans, mit einem Masskrug in der Hand – das erste Bier, das dem 35-jährigen Grünen als neuem Oberbürgermeister feierlich gereicht wurde.

Seit dem 1. Mai ist Dominik Krause offiziell im Amt. Sein zweiter Termin an diesem Tag führt ihn zu einem Brauch, der in München fast so traditionsreich ist wie die Wiesn: das Maibaumaufstellen. Dafür kam Krause nach Daglfing (Bogenhausen). Das Interesse am neuen OB ist riesig, viele wollen Selfies machen, plaudern locker mit dem Grünen. An die Anrede „Herr Oberbürgermeister“ müsse er sich noch gewöhnen, verrät er: „Doch es ist ein schönes Gefühl, das mich mit Freude erfüllt.“

So ein Termin sei für ihn eine schöne Abwechslung: „Es gibt Schlimmeres, als einen Tag in der Sonne mit Bier und einem wunderschönen Maibaum zu verbringen.“ Zuletzt hatte Krause wenig Zeit für solche Momente. Er arbeitete intensiv daran, eine neue Rathaus-Koalition aufzustellen. „Ich bin selten vor Mitternacht nach Hause gekommen, aber das gehört dazu und macht auch Spaß“, sagt er. Der erste große Schritt ist bereits gelungen: Die Sondierungen waren erfolgreich. Seit vergangener Woche ist klar: München soll eine Ampelkoalition bekommen – bestehend aus Grünen/Rosa Liste, SPD und FDP/Freien Wählern. Derzeit laufen die Koalitionsverhandlungen zwischen den Parteien.

Vielleicht ein Grund, warum der OB den Masskrug, der ohnehin nur halb gefüllt war, nicht leer getrunken hat: „Ich hab nur ein paar Mal genippt.“ Denn am Nachmittag ging es für ihn direkt mit den Verhandlungen weiter – auch das ganze Wochenende sollte es so bleiben.

Bis spätestens 11. Mai soll der Koalitionsvertrag stehen. Dann tritt der neu gewählte Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, und Krause wird feierlich in sein Amt eingeführt. Die Aufgaben einer neuen Koalition sind gewaltig. Vor allem beim Wohnungsbau muss es vorangehen. München wächst rasant, in den nächsten zwei Jahrzehnten könnten rund 200.000 Menschen hinzukommen. Krause hatte im Wahlkampf versprochen, 50.000 neue Wohnungen zu bauen. Gleichzeitig sind die Kassen knapp, die Stadt mit über sieben Milliarden Euro verschuldet.

Auch in einer möglichen Koalition wird es beim Thema Bauen und Wohnen Kompromisse brauchen. „Es ist kein Geheimnis, dass es hier unterschiedliche Sichtweisen zwischen den möglichen Mehrheitsfraktionen gibt.“ Einig sei man sich, dass mehr Wohnraum entstehen müsse. Uneinigkeit gibt’s jedoch beim „Wie“ – etwa bei der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme im Münchner Nordosten. Damit kann die Stadt Bodenspekulation eindämmen und bezahlbaren Wohnraum schaffen. FDP und Freie Wähler sehen das kritisch. Krause bleibt optimistisch: „Bislang sind die Gespräche davon geprägt, dass wir zusammenkommen wollen. Das ist ein gutes Zeichen.“JULIAN LIMMER

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