Der Kampf ums Überleben

von Redaktion

Schock am Stachus! Kult-Geschäft Lindberg ist insolvent – Laden bleibt weiter geöffnet

Besonderes Angebot: Klavier, Gitarre, Schlagzeug – über Jahrzehnte bot der Laden feinste Instrumente an. © Hartmann (2)

Im Geschäft: Lindberg-Chef Helmuth Klein.

Diese Aktion sorgte für Aufsehen: Lindberg-Mitarbeiter marschieren mit Instrumenten zum neuen Laden. © Schlaf

Gitarrensaiten, vielleicht eine Blockflöte oder gar ein Klavier? Es gibt wohl kaum einen Münchner, der in den letzten Jahrzehnten nicht schon einmal irgendetwas beim Lindberg am Stachus gekauft hat. Doch ist damit jetzt Schluss? Fakt ist: Das legendäre Musikhaus ist pleite! Die Geschäftsführung hat Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht gestellt: Das wurde am Donnerstag per Pressemitteilung bekannt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Max Liebig aus der gleichnamigen Kanzlei bestellt.

Ja, bei Hieber Lindberg an der Sonnenstraße gibt‘s alles rund um Musik – das wussten Generationen von Münchnern. Gitarre und Schlagzeug, Blas-, Streich- und Tasteninstrumente bis hin zu Synthesizern, DJ-Anlagen und Noten: alles da, alles zum Ausprobieren im Herzen der Stadt in Stachus-Nähe.

Schon im vergangenen Jahr war aber klar: Dem Unternehmen geht‘s nicht gut. Das Geschäft zog um, weil die Miete zu hoch wurde, man sich verkleinern musste. Den Ortswechsel (innerhalb der Sonnenstraße ein paar Häuser weiter) zelebrierten die Lindberg-Leute stilecht per Prozession mit Pauken und Trompeten. Helmuth Klein von Lindberg war damals erleichtert, verglich den neuen, günstigeren Mietvertrag mit „einem Sechser im Lotto“.

Trotzdem konnte die Flächen-Verkleinerung den Betrieb offenbar nicht retten – zu geringe Einnahmen, zu hohe Ausgaben. In der Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters heißt es: „Wie bei vielen Unternehmen des stationären Einzelhandels haben sich auch bei Hieber Lindberg hohe Mietkosten auf das unternehmerische Ergebnis ausgewirkt. Zudem kaufen viele Menschen auch nach der Pandemie im Internet ein, was sich nach wie vor auf die Kundenströme in den Innenstädten und damit oft auf alteingesessene Händler auswirkt.“

Zusammen mit seinem Team verschafft sich Liebig nun einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Hauses. Er versucht, Hieber Lindberg zu retten: „Unser Ziel ist, einen Investor für diese musikalische Institution in München zu finden. Ein Geschäft wie dieses, mit seiner über 100-jährigen Geschichte, ist ein Leuchtturm für eine lebendige Innenstadt.“

Das Geschäft in der Sonnenstraße 19 bleibt daher trotz des Insolvenzverfahrens weiter geöffnet. Alle 44 Mitarbeiter bekommen noch bis Ende Juni 2026 ihre Gehälter über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung und beraten Kunden weiterhin mit ihrer bekannten, persönlichen Expertise.

Hieber-Lindberg-Geschäftsführerin und Mit-Gesellschafterin Corina Loib sagt: „Als Vollsortiment-Musikhaus bieten wir Musikern und Musikliebhabern die einmalige Möglichkeit, Instrumente direkt auszuprobieren und zu vergleichen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten mit ihrem Fachwissen die Kunden anhand ihrer individuellen Anforderungen und Wünsche.“

Hieber Lindberg ist seinerzeit aus dem Zusammenschluss der Musikhäuser Hieber am Dom und Ernst Lindberg hervorgegangen. Die Historie des Fachhandelsunternehmens reicht bis ins Jahr 1884 zurück und zieht sich seither durch die Geschichte des Münchener Musikalienhandels.MM

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