„Autohandel? Nicht mehr erwünscht“

von Redaktion

Karl Geiger ist Spezialist für US-Fahrzeuge. Seinen Firmensitz in der Zamdorfer Straße (r.) will er verlegen. © M. Hartmann

An seine erste amerikanische Liebe erinnert sich Karl Geiger noch genau: „Es war eine blaue Corvette, so ein Modell wie dieses hier“, sagt er und streichelt einen Sportwagen in der Tiefgarage. Die Eleganz, die Technik und der leistungsstarke V8-Motor haben ihn fasziniert. Seine Welt sind seither schwere, große Autos aus den USA, die sich in seinem Betrieb drängen. Aber jetzt ist Geiger sauer. Denn: „Der Autohandel ist nicht mehr erwünscht in München“, meint der 66-Jährige. „Wir passen nicht rein in die grüne Schiene.“ Kurz: „Wir wollen weg aus München.“ Raus aufs Land.

Geiger ist der Inhaber von Geiger Cars in der Zamdorfer Straße und Spezialist für US-Autos. Dass er jetzt ein Grundstück auf dem Land sucht, hat er in den Sozialen Medien kundgetan. In seinem Post verpasst er grüner Stadtpolitik eine Watschn: „Ich arbeite viel, und ich zahle auch gerne die Gewerbesteuern“, sagt er hier. „Aber nicht für sinnlose Sachen wie Straßen kleiner machen und Bäume pflanzen.“ Aus seiner Sicht wird die Mobilität mit dem Auto zunehmend eingeschränkt, zugunsten von Fahrrädern. Er respektiere zwar, dass diese Entwicklung demokratisch legitimiert ist. Dennoch: „Wir als Unternehmen, das sich auf sportliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor spezialisiert hat, finden uns mit unserem Geschäftsmodell im aktuellen Umfeld immer weniger wieder.“

Vor 47 Jahren eröffnete der Mechaniker sein erstes Geschäft an der Buttermelcherstraße, mitten in der Stadt: „Heute undenkbar.“ Nach Stationen in Trudering landete Geiger vor 14 Jahren am heutigen Standort. Hier vertreibt er Marken wie Chevrolet, GMC, Cadillac oder Jeep. Die haben ihren Preis: Eine Corvette kostet zwischen 100.000 und 400.000 Euro. Trotzdem: Kunden habe er genug, das Geschäft laufe. Geiger verkauft rund 1000 Fahrzeuge im Jahr. Da seine Firma, die später Tochter Paulina übernehmen soll, mehr Platz benötigt, sucht er einen neuen Standort. In München ohne Erfolg: „Das ist demütigend.“ Autos mit V8 seien nicht mehr gern gesehen. Auch auf der IAA nicht: „Das passt nicht ins grüne Image.“

Die Resonanz auf Geigers kritischen Instagram-Post war enorm. Viele Gewerbetreibende, die aufgeben müssen, meldeten sich bei ihm. Applaus gab es auch aus den Reihen der AfD. „Aber von solchen Leuten distanzieren wir uns ausdrücklich“, betont Geiger.

Und wie stehen die Chancen in Sachen Umzug? Eine ganze Reihe von Bürgermeistern aus dem Umland habe sich schon gemeldet, sagt Geiger: „Uns wurden 200 Grundstücke angeboten.“ Jetzt sei man am Sondieren. Man brauche mindestens 5000 Quadratmeter Bauland oder Bestand für ein Autohaus samt Werkstatt und 25 Mitarbeiter. „Auf dem Land sind die Leute viel gechillter.“ Obendrein sei dort die Gewerbesteuer günstiger. In München zahle er zwischen 350.000 und 450.000 Euro jährlich. Der neue OB Dominik Krause wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung zu Geigers Kritik nicht äußern. Der hingegen ist fest entschlossen: „Mitte 2028 wollen wir umziehen.“M. KADACH

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