Radfahrerin Katja Bode befürwortet einen massiven Ausbau der Radwege: „Da geht noch was.“ © Marcus Schlaf
Als Katja Bode vor 13 Jahren nach München zog, war sie doppelt überrascht: Zum einen begeistert von dem guten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Zum anderen geschockt: „Ich habe mich zum ersten Mal unsicher gefühlt auf dem Fahrrad“, erinnert sie sich. Sie stieß auf viele enge „Handtuch-Radwege, auf denen man durchgerüttelt und riskant überholt“ wurde. Deshalb schaffte sie sich einen Helm an. Den ersten Helm ihres Lebens.
Seither habe sich viel getan in München. „Die Radwege sind sicherer geworden“, lobt die 39-Jährige aus Laim. „Breiter, baulich getrennt und ausgestattet mit besseren Oberflächen.“ Bode gehört zu den Bürgern, die grüne Stadtpolitik gut finden. Sie hat Dominik Krause gewählt, weil er in seinem Wahlprogramm versprochen hat: „Wir bauen sichere Radwege und Kreuzungen, damit Radfahren sorgenfrei wird und überall Spaß macht.“
Bode ist eine Radl-Begeisterte. Sie wuchs in einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt auf. „Auf dem Kindersitz meiner Mutti hat alles angefangen“, erzählt sie. „Das hat mich geprägt.“ In der Jugend war das Rad für sie das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Freunde besuchen, unterwegs sein. „Das Fahrradfahren bedeutete für mich Selbstständigkeit.“ Zumal Busverbindungen rar waren. Und als sie später den Führerschein in der Tasche hatte, fehlte ihr das Geld für ein eigenes Auto. Bis heute besitzt Bode keinen Pkw. „Radfahren ist meine Alltagsmobilität.“ Auch zur Arbeit fährt die Übersetzerin stets mit dem Rad, hin und zurück sind das 20 Kilometer. „Gerade nach einem anstrengenden Tag empfinde ich es als angenehm, den Stress runterzustrampeln.“ Ohne Stau. Privat bestreitet sie alles mit Muskelkraft, ohne E-Bike, wie sie stolz erzählt. Steht ein größerer Einkauf an, leiht sie sich ein Lastenrad aus. In Notfällen mal ein Auto über Carsharing.
Deshalb kennt sich Bode bestens im Radverkehr aus. Ihre Lieblingsstrecke: „Der Altstadt-Radlring ist großartig.“ Gut gefällt ihr zudem der neue und durch Poller getrennte Radstreifen an der Lindwurmstraße. „Das verschafft mir ein sicheres Gefühl.“ Angenehm zu fahren sei es auch an der umgebauten Karl-Theodor-Straße. „Vor allem auch für die Kids der umliegenden Schulen und Kindergärten ist das eine riesige Verbesserung.“ Schlecht sei die Lage aber an der Nymphenburger Straße. „Da geht noch was.“ Dass in München dem Radverkehr politisch mehr Beachtung geschenkt wird, findet sie super: „Es geht auch um Gerechtigkeit.“ Der Platz im öffentlichen Raum werde fairer verteilt. Denn: „Autos nehmen viel Raum ein.“ Der ökologische Aspekt spielt für sie ebenfalls eine große Rolle. Außerdem: „Fahrradfahren ist sozial gerecht.“ Denn jeder könne sich ein Fahrrad leisten. Und: „Radfahren macht einfach glücklich.“MARLENE KADACH