Das Regal im OB-Büro mit Büchern, einem Fußball der IG Metall, Sparschwein und Bierschlegel. Besonders stolz ist Krause auf eine Olympia-Fackel. Die präsentierte er in seinem neuen Büro der Presse. © Marcus Schlaf (3)
Oberbürgermeister Dominik Krause greift zur olympischen Fackel, die in seinem neuen Regal steht – ein Relikt der Münchner Spiele von 1972. 6000 Exemplare gab es damals, heute sind sie begehrte Sammlerstücke. Ein Freund hat ihm die Fackel geliehen, als „Glücksbringer“, sagt Krause, damit München erneut Olympische Spiele ausrichten kann. Als Oberbürgermeister will er alles daransetzen, dass die Stadt den erneuten Zuschlag erhält. Das wäre, so Krause, ein „Infrastrukturbooster“ und eine „gigantische Chance“ für München.
Nicht nur Olympia steht auf seiner Agenda. In den nächsten sechs Jahren wartet viel Arbeit auf den neuen OB. Sein neues Chef-Büro hat er gestern bezogen. Die Möbel stammen größtenteils von seinem Vorgänger Dieter Reiter, den Krause seit dem 1. Mai offiziell abgelöst hat. Seine persönlichen Gegenstände musste er aus seinem alten Büro ins neue bringen – darunter ein Buch von Hannah Arendt, die Krause eine „großartige Philosophin“ nennt. Es hieß also: Kisten schleppen. Das sei anstrengend gewesen, sagt er, aber beschweren will er sich nicht. „Für einen langjährigen Politiker gibt es nichts Schöneres, als meinen Traumjob als Oberbürgermeister ausüben zu dürfen.“ Krause brennt für seinen Job.
Neu in seinem Büro ist auch der Schlegel, mit dem er das Anzapfen erstmals geübt hat – eine Aufgabe, die ihn in den kommenden Jahren noch oft erwartet. Neben Schlegel und Fackel steht ein Buch von Hans-Jochen Vogel, Münchens Oberbürgermeister von 1960 bis 1972, der die Olympischen Spiele damals in die Stadt holte. Krause nennt ihn einen „großen Gestalter dieser Stadt“ und sagt: „Er ist für mich ein Vorbild.“ Vogel war mit 34 sogar ein Jahr jünger als Krause, als er seinerzeit das Amt antrat.
Vogel gelang es, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen – etwas, das auch Krause versprochen hat. Gleichzeitig steht er gemeinsam mit dem neuen Stadtrat vor großen finanziellen Hürden: München ist mit rund 7,5 Milliarden Euro verschuldet. Eine seiner ersten Maßnahmen werde daher eine „Verwaltungsreform“ sein, sagt er. „Wir müssen effizienter arbeiten, wir müssen digitalisieren.“ So sollen Kosten gesenkt werden. In Krauses Regal steht auch ein Sparschwein – ein Geschenk einer Schulklasse. Ein zentrales Thema seiner Amtszeit wird zudem das Wohnen und Bauen sein. An seinem ersten Tag im neuen Büro verschickte er Einladungen zu einem Wohnungsgipfel – an rund 30 Teilnehmer, von Genossenschaften bis zu Vertretern der Bauwirtschaft. Ziel sei es, deren Probleme besser zu verstehen.
Zum Amtswechsel erhielt Krause noch Ratschläge von einer Münchner SPD-Größe. Sein direkter Vorgänger Dieter Reiter habe zwar noch nicht vorbeigeschaut, dafür dessen Vorgänger Christian Ude. Dieser traf Krause noch in dessen altem Büro und brachte ihm zu einem zweieinhalbstündigen Gespräch einen Rosmarinstrauch mit. Worüber sie sprachen? Unter anderem über mögliche „Stolpersteine“ im Amt.JULIAN LIMMER