Wischiwaschi am Bahnhof

von Redaktion

Die Deutsche Bahn verspricht: Ab sofort wird verstärkt gereinigt

Esther Heckmann ärgern die Kaugummiflecken.

Sisyphos-Arbeit: „Du lackierst, aber am nächsten Tag ist wieder eine Schmiererei da“, sagt Hüseyin Özübek.

Frühjahrsputz: Nele Brietzke (li.) und Martina Köppl säubern die Mülleimer. Ob’s jetzt ein „Superjob“ ist, wie die Werbung an einem Zug dahinter suggeriert, sei mal dahingestellt. © Marcus Schlaf (3)

Hüseyin Özübek steht auf einer Leiter im Münchner Hauptbahnhof. Mit einem Lackroller streicht er eine Säule. Es riecht nach Farbe. Eigentlich ist Özübek kein Maler und Lackierer. Er ist Stationsinspekteur und kümmert sich um Reparaturen an Bahnhöfen. Doch an diesem Montag ist es anders: Der Bahnhof wird aufgehübscht, wenigstens ein wenig. Das launige Motto: „Sorry Schmutz. Frühjahrsputz“.

40 Bahnhofsmitarbeiter, die eigentlich nicht hauptberufliche Müllaufräumer sind, schwärmen aus. Sie putzen Vitrinen, wischen über die Bleche der Abfalleimer, entfernen mit Saugern Zigarettenkippen, Papiertaschentücher und alles, was grad so rumliegt. Der Frühjahrsputz am Bahnhof sollte, so könnte man meinen, eine Selbstverständlichkeit sein. Doch wie so oft bei der Bahn: Es fehlte an Geld. Mit einem Sofortprogramm des Bundesverkehrsministeriums wird nun aber jeder vierte der 5700 Bahnhöfe in Deutschland für insgesamt 50 Millionen Euro einer Reinigungsoffensive unterzogen. Gestern war der Hauptbahnhof dran, am Mittwoch folgt München-Pasing. Mit dem Geld werden nicht nur Einmal-Aktionen bezahlt. Vielmehr erhöht die DB am Hauptbahnhof dauerhaft die Reinigungsintervalle. Auch die Reinigung im Gleis soll öfter erfolgen. Außerdem wurde ein zusätzliches Müllsammelfahrzeug gekauft.

„Sauberkeit ist eines der zentralen Elemente, damit sich Fahrgäste wohlfühlen“, sagt Esther Heckmann, als „Regionalbereichsleiterin Personenbahnhöfe“ Chefin der gut 800 bayerischen Bahnhöfe. Skeptisch schaut sie sich den Boden an, der mit schwarzen Flecken übersät ist. Es sind Kaugummireste. „Das ist schwer zu entfernen, eigentlich nur mit Sprühextraktionsgeräten.“ Das sei heute nicht zu schaffen. Gegen hartnäckigen Taubendreck hilft nur ein Dampfstrahler. Das geht nur tief in der Nacht, wenn keine Fahrgäste da sind. Tauben sind ein Dauerthema an wohl allen Bahnhöfen. „Wir haben schon alles probiert“, beteuert die Münchner Bahnhofsmanagerin Mareike Schoppe. Sogar Taubenvergrämen mit einem echten Falken wurde in Pasing mal getestet. Vergebens. Wenn überhaupt, dann helfen nur Spikes, spitze Dornen, wie sie etwa an den Bahnhofsuhren zu sehen sind, um die lästigen Vögel fernzuhalten. Das gelingt nur teilweise. Allein 1400 Tauben gebe es aktuell am Ostbahnhof, dem aktuellen „Hotspot“ der Vögel.

Der Mann mit dem Lackroller auf der Leiter, Hüseyin Özübek, ist vom Vandalismus schwer genervt. Dauernd werden an den Bahnhöfen im Umland Vitrinen mit den Fahrplan-Aushängen eingeschlagen. Und dann die Graffiti: „Du malerst, lackierst, aber am nächsten Tag ist wieder eine Schmiererei da“, ärgert er sich.DIRK WALTER

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