Unser Kaufhof soll bleiben

von Redaktion

Angst vor dem Aus: Anwohner und Angestellte demonstrieren am Rotkreuzplatz

Auch Mitarbeiter wie Silvia Willige haben gestreikt.

Hunderte Menschen demonstrierten gegen die Schließung des Kaufhauses.

Anwohnerin Karin Hillebrand-Tischler fürchtet um die Nahversorgung im Viertel.

Finanzielle Probleme: Der Filiale von Gelaria Kaufhof am Rotkreuzplatz droht das Aus. Sie könnte geschlossen werden. © Schmidt, Hartmann (3)

Lebensmittel, Bindfaden oder Unterhosen kompakt an einem Ort kaufen – das können die Neuhausener in ihrem Kaufhof am Rotkreuzplatz. Noch. Denn auch ihm droht die Schließung. Ein paar hundert Leute haben deshalb am Samstagnachmittag vor der Filiale demonstriert. „Das war nicht unbedingt ein Publikum, wie man es sonst auf Demos findet“, meint Anwohnerin Karin Hillebrand-Tischler (57). Vor allem viele ältere Menschen haben sich versammelt und lauschen den Worten des SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Roloff. Organisiert wurde die Kundgebung unter anderem von der SPD Neuhausen.

Senioren trifft eine Schließung des Kaufhauses besonders hart, weil sie oft nicht mehr mobil genug sind, um in die Innenstadt oder das Olympia-Einkaufszentrum zu fahren, meint Hillebrand-Tischler. „Der Kaufhof ist der Kern des Stadtteils. Stirbt er, ist nicht nur die Nahversorgung gefährdet, sondern auch 120 Arbeitsplätze.“

Bei der Petition gegen die Schließung haben bereits über 2000 Menschen unterschrieben. Sie appellieren an Betreiber und Eigentümer des Gebäudes, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Die aktuellen Eigentümer des ehemaligen Signa-Besitzes von Pleitier René Benko heißen Bernd Beetz und Richard Baker. Sie wollen am Standort Wohnungen, Büros, Einzelhandel und ein Hotel errichten. Dagegen regt sich Protest.

Das Backsteingebäude aus den frühen 80er-Jahren war Ende 2024 an eine Tochter der Hessischen Landesbank verkauft worden. Kaufhof blieb Mieter der Immobilie, ächzt aber unter den Kosten und soll laut eines Berichts der „Immobilien Zeitung“ mit den Mietzahlungen im Rückstand sein. Die Mitarbeiter von Galeria am Rotkreuzplatz mussten schon öfter um ihre Arbeitsplätze bangen. Galeria Karstadt Kaufhof war dreimal insolvent. Immer wieder stand die Schließung dieser Filiale im Raum.

Auf der Kundgebung wurden verschiedene Vorschläge laut, wie die Stadt den Kaufhof doch noch erhalten könnte. So appelliert man beispielsweise an die Lokalbaukommission, die Pläne der Investoren nicht zu genehmigen. Auch das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, sei denkbar. Das wiederum dürfte das Problem der hohen Mieten nicht lösen: „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen“, teilte Galeria jüngst mit.

Das wiederum bedrohe nicht nur die Existenz vieler Mitarbeiter, heißt es in der Petition, sondern schwäche auch die wirtschaftliche und soziale Struktur rund um den Rotkreuzplatz. Zahlreiche kleinere Geschäfte profitierten von der Kundschaft des Kaufhauses. Ein Wegfall würde den gesamten Standort beeinträchtigen. Weitere Demonstrationen gegen die Schließung sollen in den nächsten Wochen folgen.GABRIELE WINTER

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