Glücklich: Surferin Jenny. © Michaela Hartmann
Diese Welle ist die reinste Wonne: Nachdem Münchens Surfer monatelang auf dem Trockenen sitzen mussten, hat Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) das Surf-Verbot am Eisbach am Freitag überraschend aufgehoben (wir berichteten). Die Freude in der Surfergemeinschaft ist groß, ebenso der Andrang: Bereits kurz nach der Mitteilung bildeten sich Schlangen an dem umkämpften Hotspot, am Wochenende herrschte Hochbetrieb.
Dicht an dicht drängen sich die Schaulustigen am Sonntagvormittag auf der Eisbachbrücke. Unter ihnen ist auch Familie Frank aus Münster. „Wir fahren heute wieder nach Hause und wollten uns das unbedingt noch mal anschauen“, sagt Papa Vitali. „Das ist sehr cool!“, findet der elfjährige Maxi. Im Minutentakt wirbeln die Surfer über die weiße Gischt. Klatschen, Johlen, Applaus für einen gelungenen Ritt. Auch Walter ist gekommen. Der 34-Jährige surft seit drei Jahren am Eisbach. Gelernt hat er das Wellenreiten am Meer in seiner Heimat Peru. „Ich bin sehr glücklich, dass das Surfen wieder erlaubt ist. Für mich ist das hier ein Stück Lebensgefühl“, sagt er.
Jenny geht es ähnlich. Die 35-Jährige war bereits am Freitag direkt nach der OB-Verkündung da. „Da habe ich zu meinem Mann gesagt: Es fühlt sich an wie bei einem Date mit seinem Partner, den man lange nicht gesehen hat. Es war wie ein Traum, man konnte es noch gar nicht richtig fassen.“ Noch sei die Welle nicht zu hundert Prozent wieder aufgebaut, „das Weißwasser auf der anderen Seite blubbert zu sehr“, sagt die erfahrene Surferin. Doch die erste zarte Bande ist geknüpft und auch der Respekt vor der wilden Flusswelle mit ihren Risiken und Unwägbarkeiten sei noch mal ein anderer, meint sie. „Ich glaube, dass man jetzt noch bewusster reingeht.“
Lebensfreude. Gelassenheit. Der „Spirit of Surfing“ hängt an diesem sonnigen Vormittag über dem Eisbach. Doch der Ärger über die Sperrung der Welle – aus Sicht vieler Surfer trotz des tödlichen Unfalls einer Surferin (33) im April 2025 unnötig lang – ist bei manchen noch da. „Letztlich hat es die Natur gerichtet“, sagt einer. Wie berichtet, hatte sich am Eisbach zuletzt wieder eine stabile, natürlich entstandene Surf-Welle gebildet. Dem vorausgegangen waren langwierige Versuche, die Welle wieder zum Stehen zu bringen, sowie zähe Diskussionen mit der Verwaltung, um das Surfen an der Stelle juristisch und auch von der Sicherheit her zu ermöglichen. Das Surfen blieb verboten – bis Freitag. „Die Eisbachwelle ist ein Wahrzeichen der Stadt München“, sagt OB Krause. Doch es gelten Regeln wie die Verwendung einer selbstlösenden Sicherheitsleine und ein Surfverbot ab 22 Uhr.DANIELA POHL