Warme Worte und ein Rat

von Redaktion

Amtsübergabe im Rathaus: Alt-OB Reiter lobt Dominik Krause

Im Saal waren Münchens Stadträte, Wiesn-Wirte, Unternehmer und weitere Ehrengäste. © Markus Götzfried

Verena Dietl, Dominik Krause und Mona Fuchs. © M. Hangen

Der neue OB Dominik Krause (Grüne) bekam die Amtskette von seinem Vorgänger Dieter Reiter. © Markus Götzfried (2)

Es ist kurz nach 10 Uhr, als sich Dominik Krause (35) und Dieter Reiter (67) im historischen Saal des alten Rathauses gegenübertreten. Reiters erster öffentlicher Auftritt – seit er vor knapp zwei Monaten die OB-Wahl gegen Krause verlor. Vor ihnen sitzt das Publikum: Stadträte, Wiesn-Wirte, Unternehmer und Ehrenbürgerinnen wie Charlotte Knobloch. Reiter nimmt die goldene Amtskette und legt sie Krause um den Hals. Die beiden umarmen sich, später schütteln sie sich die Hand – nicht förmlich, eher wie alte Bekannte, die sich abklatschen.

Reiter wirkt entspannt, aber auch nachdenklich. „Ich habe jetzt ja unendlich viel Zeit, wie Sie wissen“, scherzt er zu Beginn seiner Ansprache. Die Anrede „Sehr geehrter Oberbürgermeister“ an jemand anderen zu richten, falle ihm noch schwer, gibt er zu. Als er den heutigen Festakt vor Monaten terminierte, habe er sich das anders vorgestellt. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Überschrift dann Amtsübergabe lauten würde.“ Doch die Zeiten änderten sich, sagt Reiter.

Für seinen Nachfolger findet er warme Worte. Schließlich kennen sich beide schon lange. Er sei engagiert, manchmal kontrovers, aber immer mit dem Ziel, die Stadt voranzubringen. „Ich wünsche dir, lieber Dominik, viel Mut und Gelassenheit.“ Einen Rat gibt er ihm auch: Trotz aller Aufgaben solle Krause sich Zeit nehmen, rauszugehen – auf die Straßen, in die Viertel, um mit den Menschen zu sprechen. Reiter schließt mit Zuversicht: „Ich habe die Gewissheit, dass die Stadt auch künftig in guten Händen ist.“

In seiner Rede bereitete Krause die Stadt auf anspruchsvolle Zeiten vor. Die Herausforderungen seien groß: „Starkes Bevölkerungswachstum, Wohnungsnot, Aufholbedarf bei Verkehr und Infrastruktur.“ Diese Aufzählung stamme jedoch nicht von ihm, sondern von Ex-OB Hans-Jochen Vogel (Amtszeit 1960 bis 1972), den Krause immer wieder als Vorbild bezeichnet hatte. Vogel (SPD) habe es geschafft, München zu modernisieren und zur Weltstadt zu formen. Eine ähnliche Stimmung wolle Krause erzeugen: eine, die „Wandel als Chance“ begreift.

Einen solchen Wandel brauche es dringend, denn die Stadt stecke in einer „veritablen Haushaltskrise“. Man müsse sparen, die Verwaltung modernisieren und „jeden Stein umdrehen“. Gleichzeitig gelte es, die zentrale „soziale Frage der kommenden Jahre“ zu lösen: die Wohnungsnot. Das schaffe man nur, wenn alle an einem Strang zögen. Krause plädierte dafür, alte „Dogmen“ auf den Prüfstand zu stellen und „liebgewonnene Kulturkämpfe“ zu hinterfragen. Er sei sich sicher: Ein Aufbruch sei trotz schwieriger Umstände möglich.

Neuer OB, neuer Alt-OB – neue Stellvertreterinnen. Am Montagnachmittag ist Mona Fuchs (Grüne) mit 48 von 80 Stimmen zur zweiten Bürgermeisterin gewählt worden. Das ist insofern bemerkenswert, weil die neue Rathaus-Regierung nur über eine 43-Stimmen-Mehrheit verfügt. Fuchs muss daher auch von anderen Fraktionen gewählt worden sein. Verena Dietl (SPD) wurde wieder dritte Bürgermeisterin. Sie erhielt 49 Stimmen.J. LIMMER, S. KAROWSKI

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