Links: Das Horror-Szenario vor der Arena. Rechts: Markus Söder, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sowie Joachim Herrmann.
Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte gaben bei der Übung alles – auch als Opfer. © J. Hartmann (3)
Zahlreiche Menschen liegen verletzt auf dem Asphalt vor der Allianz Arena. Aus einem grauen Sprinter, der in eine Gruppe raste, tritt ein unbekannter, giftiger Stoff aus. Einige Opfer ringen um Atem, andere schreien um Hilfe, manche liegen bewegungslos am Boden. Dann sind die Sirenen der Einsatzfahrzeuge der Sanitäter zu hören, kurz darauf die Rotorblätter eines Rettungshubschraubers. Helfer eilen zum Unglücksort, kümmern sich sofort um die Verletzten und verteilen gelbe und rote Marken: Rot steht für akute Lebensgefahr. Die Schreie, sie nehmen kein Ende. Gott sei Dank ist alles nur gespielt – Teil einer großen Übung.
Denn am Montag fand vor der Allianz Arena eine Leistungsschau des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Zivil- und Katastrophenschutz statt. Das Ziel: schnellstmöglich Hilfe leisten zu können, wenn es zu einem Terroranschlag oder einer Katastrophe kommt. Beispielsweise mit Giftgas.
30 Minuten lang stellten über 50 BRK-Einsatzkräfte ihr komplexes Hilfeleistungssystem vor. Und es wurde hierbei an alles gedacht: eine schnelle Einsatzleitung, eine Dekontaminationsstelle und auch spezielle Einsatzmittel. Zudem waren ein Rettungs- und ein Transporthubschrauber im Einsatz. Demonstriert wurde damit die Leistungsfähigkeit und Kompetenz der ehrenamtlichen Einsatzkräfte des BRK, die die Krisenlage koordinierten und alle Verletzten schnell versorgten. Sogar spezielle Gefahrstoffanzüge gegen mögliche Gifte hatten die Retter bei der Übung an.
Und alles lief wie am Schnürchen: Nach Ablauf der 30 Minuten war der Platz geräumt, die Verletzten in Versorgungs- und Dekontaminationsstellen untergebracht – oder die Helfer schafften die Opfer blitzschnell per Trage in die bereitstehenden Rettungswagen oder den Transporthubschrauber. Alles unter den Augen der Politik: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verfolgen die beeindruckende Großübung vor Ort. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) war anwesend. Es ging aber nicht darum, die professionelle Arbeit zu bewerten – sondern den Einsatzwillen der Ehrenamtlichen zu würdigen.
BRK-Präsident Hans-Michael Weisky lobte den Einsatz der Rettungskräfte und plädierte für eine Helfergleichstellung. Denn Fakt ist: Im Gegensatz zu THW und Feuerwehren gilt bei Einsatzkräften der Hilfsorganisationen kein Anspruch auf Freistellung vom Arbeitgeber. Heißt: Für die grundlegenden und unerlässlichen Übungen müssen sich die Helfer Urlaub nehmen oder den Feierabend opfern. Das galt auch für die Übung am Montag. Übrigens auch für die Männer und Frauen, die die Verletzten so überzeugend spielten. Das wurmt den BRK-Präsidenten: „Wer nicht üben kann, kann im Einsatz nicht funktionieren. Deshalb braucht es endlich eine Helfergleichstellung“, sagte Weisky und fügte an: „Was wir heute gesehen haben, ist vor allem eins: ehrenamtliches Engagement. Ich bin wahrlich stolz auf euch. Vergelt’s Gott!“
Auch Markus Söder war von der Übung begeistert: „Was ihr hier leistet, ist Champions League“, schwärmte er – und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nickte. „Wir sind stolz auf euch.“LUIS WAHLS