Ein teurer Spaß

von Redaktion

Maskottchen-Trick kostet 14.400 Euro Strafe

Marvin Wildhage beim Gerichtstermin.

Marvin Wildhage schlich sich als Maskottchen in die Allianz Arena – zum Eröffnungsspiel der EM 2024. © Jantz, Schmitz

Er führte die Uefa an der Nase herum, jetzt bekommt er die Quittung. Obwohl das Gericht seine journalistische Arbeit anerkennt, muss Youtuber Marvin Wildhage (29) büßen. Er muss tausende Euro Strafe zahlen, weil er sich am 14. Juni 2024 als Fake-Maskottchen beim EM-Eröffnungsspiel in der Allianz Arena bis aufs Spielfeld geschmuggelt hatte – um Sicherheitslücken aufzudecken, wie er sagt. Ein teurer Spaß!

Konkret geht es um 60 Tagessätze zu je 150 Euro, zudem werden 5.400 Euro aus mit den Videos erzielten Einnahmen eingezogen – also insgesamt 14.400 Euro. Das Video wurde 3,1 Millionen Mal angesehen. Der Webvideoproduzent habe sich der Urkundenfälschung und des Erschleichens von Leistungen schuldig gemacht, begründete die Richterin des Amtsgerichts München ihr Urteil. Wildhage soll damals unter anderem den Parkausweis und die Akkreditierung gefälscht haben. „Der Angeklagte ist ein investigativer Journalist, das spricht ihm hier keiner ab. Es spricht ihm auch keiner ab, dass hier Sicherheitslücken aufgedeckt werden sollten“, betonte sie. Es gebe aber keinen Freibrief für Journalisten, im Rahmen der Recherche Straftaten zu begehen. „Urkundenfälschung ist wirklich kein Kavaliersdelikt.“

Die Richterin folgte der Forderung des Staatsanwalts. Wildhages Verteidigerin plädierte auf Freispruch. Wildhage selbst hatte seine Aktion im Prozess als investigativen Journalismus verteidigt. „Ich sehe es als meine Aufgabe, auf Missstände aufmerksam zu machen, sie in die Öffentlichkeit zu tragen.“ Investigativer Journalismus solle seines Erachtens nicht bestraft werden. Das Sicherheitskonzept der Uefa habe damals in der Kritik gestanden.

Nach dem Urteil zeigte sich der Youtuber enttäuscht. Er nehme wohlwollend wahr, dass man seine journalistische Arbeit wertschätzte. Aber gerade für die Wertersatz-Einziehung habe er kein Verständnis. Und er müsse sich nun fragen, wie er künftig recherchieren könne – gerade Sicherheitslücken ließen sich nun mal nicht in der Theorie testen.

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