665 Euro wegen diesem Schild

von Redaktion

Carsharing-Markierung nicht eindeutig: Münchner Park-Opfer sauer

Weil er sein Auto falsch abgestellt hat, soll Emre San fast 700 Euro zahlen. © Götzfried

Die Fahrt kostete 4,37 Euro – der Parkplatz 665 Euro! Beamter Emre San (35) ist fassungslos. Der Münchner stellte sein Carsharing-Auto auf einem Carsharing-Parkplatz ab – und bekam eine saftige Rechnung serviert. Der Grund: ein kleines Schildchen, das man offensichtlich nicht recht versteht.

Am 18. Mai lieh sich San ein Auto der Firma „Free2Move“, fuhr damit zum Wittelsbacherplatz in Haidhausen. An der Kreuzung Pariser/Lothringer Straße stellte er gegen 22 Uhr den Wagen auf einem Carsharing-Parkplatz der Stadt ab. Solche Stellplätze sind mit grüner Linie und einem Carsharing-Schild markiert. Was Emre San aber übersah, war das schmale Schild mit dem Aufdruck „Stattauto“. Da ging der Ärger los.

San: „Am nächsten Tag bekam ich eine Mail von Free2Move. Die sagten mir, dass mein Auto abgeschleppt wurde.“ Das Auto stand nun nicht mehr in Haidhausen – sondern auf dem Gelände des Abschleppdienstes in Aschheim! San droht jetzt eine Mega-Zahlung – nach bloß 13 Minuten Fahrt! „Der Mitarbeiter erklärte mir, dass die Abschleppkosten 595 Euro betragen. Dazu kommen 70 Euro Gebühren, weil jemand von Free2Move das Auto abholen muss.“ Bei so was parkplatzt San der Kragen: „Man wird durch die Markierungen und Verkehrszeichen in die Irre geführt. Es ist gar nicht ersichtlich, dass Fahrzeuge anderer Hersteller dort nicht abgestellt werden dürfen.“

Eine Anfrage bei Stadt und Stattauto ergibt: In München sind die Carsharing-Plätze offenbar hart umkämpft. Laut Sprecherin zahlt Stattauto extra Gebühren für 172 solcher städtischer Flächen – um dort exklusiv parken zu dürfen. Diese Parkplätze würden aber „im erheblichem Umfang“ von Autos anderer Anbieter blockiert.

Man habe andere Firmen öfter darauf hingewiesen. Viele gingen aber „nicht konsequent“ dagegen vor, so die Sprecherin. Die Konkurrenz nehme damit „wissentlich Zusatzkosten für ihre eigenen Nutzer in Kauf“. Eine Free2Move-Sprecherin sagt dagegen, man habe bereits mehrere Maßnahmen ergriffen, um Falsch-Parker zu verhindern– etwa eine technische Sperre, eine Warnmeldung per App und Mitarbeiter, die falsch abgestellte Autos suchen und umparken.

Stattauto lässt seine Stellplätze regelmäßig kontrollieren – bei Bedarf wird abgeschleppt. Das sei aber keine „gezielte Abschlepppraxis“, sondern diene „der Aufrechterhaltung eines funktionierenden Carsharing-Systems“, so die Sprecherin. Dass Kunden anderer Anbieter dann gleich mehr als 600 Euro zahlen müssen, regle der Abschleppdienst, so die Sprecherin. „Nach unserer Kenntnis orientieren sich die Abrechnungen an den branchenüblichen Vorgaben.“

Für das Zusatzschild ist das Mobilitätsreferat der Stadt zuständig. Dort hält man es jedoch für eindeutig. Dennoch wolle man „Rückmeldungen aus der Bürgerschaft nutzen, um die Verständlichkeit der Beschilderung in der Praxis zu überprüfen“. Vielleicht kommt also doch noch ein „Nur“ vor „Stattauto“. Das würde so manchem Bürger 600 Euro Strafe ersparen.THOMAS GAUTIER

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