Weniger Autos, mehr Pflanzen: Das wünschen sich Anwohner im Westend für ihr Viertel in der Zukunft. © Daniela Fürst
Die Bewohner des Westends wünschen sich mehr Grün und weniger Autoverkehr in ihrem Viertel – und machen deshalb Druck, dass die geplanten Nachbarschaftsviertel so schnell wie möglich umgesetzt werden: Bei der Bürgerversammlung der Schwanthalerhöhe wurden gleich fünf Anträge zu dem Thema gestellt. Mit großer Mehrheit stimmten die anwesenden Bürger dafür, die Pläne nun zügig auf den Weg zu bringen.
Parkplätze sollen abgebaut werden
Und so soll die Aufenthaltsqualität verbessert werden: Autos und Parkplätze sollen weichen, um mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Asphaltierte Flächen sollen entsiegelt werden, um Hitze-Inseln zu reduzieren und mehr Sickerflächen für Regenwasser zu generieren. Außerdem sollen mehr öffentliche Begegnungsräume der weit verbreiteten Einsamkeit in der Großstadt entgegenwirken.
Eines dieser Viertel ist im Karree Kazmair-, Ganghofer-, Schwanthaler- und Schießstättstraße geplant. Vorbild für begrünte und verkehrsberuhigte Innenstadt-Viertel ist Barcelona. Hier heißen sie „Superblocks“. Auch in Berlin, Gent, Wien und Basel gibt es vergleichbare Projekte.
Bis die „Nachbarschaftsviertel“ konkrete Gestalt annehmen, wird es allerdings noch dauern. 2024 hatten Mobilitätsreferat (MOR) und Baureferat bereits einen Grundsatzbeschluss dazu gefasst. Die genaue Ausgestaltung steht aber noch aus. „Derzeit werden drei Fokusräume mit unterschiedlichen Varianten und verschiedenen Eingriffstiefen entwickelt“, erklärte ein Vertreter des MOR auf der Bürgerversammlung.
Untersucht wird der Bereich von der Theresienhöhe im Osten bis zur Ganghoferstraße im Westen und von der Landsberger Straße im Norden bis zur Heimeranstraße im Süden. Dabei werden verschiedene Varianten für die Straßen, auf denen bisher auf beiden Seiten geparkt werden darf, geprüft: einseitiges Parken, ganz ohne Parkplätze bis hin zur Fußgängerzone. Auch die Bürger und der Bezirksausschuss werden angehört. Welche Variante dann wo umgesetzt wird, dazu muss der Stadtrat einen abschließenden Beschluss fassen.
Während es den einen nicht schnell genug geht, sehen andere die Pläne kritisch. Eine Bürgerin gab zu bedenken: „Wenn das alles so kommt, werden die Mieten noch weiter steigen. Dann kann sich das Westend bald kein Normalverdiener mehr leisten.“
Um nicht die Umsetzung der Nachbarschaftsviertel abwarten zu müssen und rasch Verkehrsberuhigung herbeizuführen, wurden auch verschiedene Einzelmaßnahmen vorgeschlagen. So wünscht sich eine große Mehrheit der Bürger die Einführung von Tempo 30 in der Barth- und der Heimeranstraße. In der Ganghofer Straße soll die Temporeduzierung künftig rund um die Uhr gelten, statt wie bisher von 7 bis 20 Uhr.
Außerdem stimmte die Versammlung für den Vorschlag einer Bürgerin, die Bergmannstraße an jeder Kreuzung mit Fahrradstellplätzen und einer Sitzbank zu versehen und dafür je einen Parkplatz zu streichen. Zustimmung erhielt auch der Antrag, eine durchgehende Radverbindung vom Westend in die Innenstadt zu schaffen. Dafür soll die Schwanthalerstraße um eine Pkw-Spur reduziert werden, um dort eine dauerhafte Radl-Spur einzurichten.DANIELA FÜRST