Verändert sich: das Haus, in dem einst Franz Marc lebte.
In seiner Jugend lebte hier Franz Marc – gerade wird das Gebäude in Bahnhofsnähe umgebaut. © Franz-Marc-Museum
Beim Fest auf der Baustelle: Entwickler Michael Ehret.
Zu dem schicken Quartier, das gerade im Herzen der Stadt entsteht, gehören auch begrünte Terrassen. © Grafik: Ehret & Klein
Die Gedenktafel an der Mauer des berühmten früheren Bewohners ist gerade nicht sichtbar. Gerüste und große Planen verdecken sie. Nichts weist darauf hin, dass in den Gebäuden dahinter vor über 130 Jahren einer der später bedeutendsten Künstler des Expressionismus lebte. Franz Marc verbrachte einen Teil seiner Jugend im Haus an der Schwanthalerstraße 55 – vier Jahre lang, von 1892 bis 1895. Derzeit ist das Gebäude eine große Baustelle. Das Ensemble, zu dem auch das Nachbarhaus mit der Nummer 57 gehört, wird zu einem modernen Gebäudekomplex für Gastronomie, Gewerbe und Büros umgestaltet: dem Franz-Marc-Quartier, benannt nach seinem früheren Bewohner.
Die denkmalgeschützte Fassade bleibt erhalten und soll auch künftig an die lange Geschichte des Hauses erinnern. Im Inneren wird derzeit ertüchtigt, umgebaut, nachverdichtet und aufgestockt. Da es bei einem Bauprojekt im Bestand keine Grundsteinlegung im klassischen Sinne gibt, feierten Bauherren und Investoren gestern ein Fest zum Baufortschritt. Im Juli soll die Grundsanierung abgeschlossen sein. Danach gehen die Revitalisierungsarbeiten weiter. Ende 2027 könnten dann die ersten Mieter einziehen.
„Es wird ein modernes Gebäude, ohne den alten Charakter zu verlieren“, sagte Michael Ehret. Seine Firma Ehret und Klein entwickelt das Gebäude für die dänischen Investoren, der Kirkbi A/S. Im Erdgeschoss entstehen auf rund 2000 Quadratmetern Räume für Gastronomie, Einzelhandel und Co-Working-Flächen. In den oberen Geschossen sollen auf 10.000 Quadratmetern Büroflächen entstehen. Dazu mehrere Terrassen. Vor dem Umbau dienten die Gebäude hauptsächlich als Büros. Eine Neuerung: Es soll ein rund 1000 Quadratmeter großer Innenhof mit viel Grün und Sitzgelegenheiten entstehen, der frei zugänglich sein wird. „Dort, wo bislang Versiegelung prägend ist und viele Innenhöfe geschlossen bleiben, setzen wir bewusst einen grünen und ruhigen Gegenpol und laden die Öffentlichkeit ein“, so Michael Ehret.
Und Wohnungen? Kleinere Appartements, möglicherweise Werkswohnungen, könnten in einem weiteren Bauabschnitt am Quartier entstehen, so Ehret. Genehmigt oder fertig geplant sei das bislang jedoch nicht, betont der Projektentwickler. Es sei noch zu früh, Konkretes zu sagen. Derzeit stimme man sich mit der Stadt ab. Klar sei aber: Im Grunde handele es sich um ein „gewerbliches Projekt“.
Das Franz-Marc-Quartier reiht sich in eine Vielzahl von Bauprojekten im Bahnhofsviertel ein. Auf dem Areal, das neuerdings auch „Central Quartier“ heißt, befanden sich zuletzt rund 250.000 Quadratmeter in der Entwicklung – also in Bau oder Planung. Direkt gegenüber vom Franz-Marc-Quartier stehen ebenfalls Kräne und Baugerüste: Dort entsteht das Großprojekt „The Verse“ – ein Mischquartier mit Büros, Gastronomie, Fitnessflächen, Einzelhandel, Eventflächen, begrüntem Innenhof sowie einem Dachgarten mit Laufbahn und Padel-Court. Die Mietfläche ist so groß wie rund zehn Fußballfelder. Bis 2028 soll das Projekt fertiggestellt sein. Der Hochbau läuft gerade, demnächst beginnen die Fassadenarbeiten. Nur wenige Häuser weiter, an der Ecke Schwanthalerstraße/Goethestraße, befindet sich das Holz-Hybrid-Bürobauprojekt „The Stack“ auf der Zielgeraden. Fertigstellung ist in Kürze.JULIAN LIMMER