Das lange Pfingstwochenende mutierte für mich zum Feier-Triathlon. Ein Junggesellinnenabschied und zwei Geburtstage. Sportlich. Zu meiner eigenen Überraschung konnte ich an allen drei Veranstaltungen teilnehmen. Eine Seltenheit. Das liegt zum einen daran, dass meine Wochenenden schon im Oktober für das nächste Jahr weitgehend verplant werden. Termine werden rund um alljährlich wiederkehrende wichtige Zusammenkünfte „gebaut“.
Aber in diesem Fall lag es gar nicht daran, dass ich dieses Wochenende freigehalten hatte, es lag an den Einladenden selbst. Hätte ich andere Freunde, also solche, die wüssten, wie man heutzutage feiert, dann hätte ich mich entscheiden müssen. Denn die meisten Bräute verabschieden sich aus dem unverheirateten Leben mittlerweile mit Festen, die mindestens eine Übernachtung erfordern, oder gar einen Flug ins Ausland. Auch Geburtstagsfeste, bei denen der Jubilar eine besondere Jahreszahl erreicht, werden über mehrere Tage gefeiert. Also so wird es im erweiterten Bekanntenkreis zumindest erzählt.
Bräute verabschieden sich ganz trendy auf Mallorca, oft auch in Venedig, aber meistens in Südtirol, weil es dann für die anschließende Hochzeit in der Toskana nicht mehr so weit ist.
Und ich? Ich war auf drei Festivitäten und musste für keine mehr als 80 Kilometer fahren! Dafür bin ich sehr dankbar. So konnte ich mit allen feiern. Zudem gab es vielleicht auch andere Gründe, wie eine gewisse Schnittmenge an Gästen. Die Braut, auch keine zwanzig mehr, wollte nicht mit einem Bauchladen am Ballermann rumlaufen und gegen Bussis kleine Schnapsfläschchen an den Mann bringen, während sie das „Schatzi-Foto-Lied“ trällert.
Wir waren im Biergarten im Englischen Garten, den wir schon seit unserer Jugend kennen (wir haben alle zusammen Handball gespielt), und haben stundenlang über alte Geschichten gelacht, uns das Mitgebrachte schmecken lassen, und die Braut hatte lediglich die Getränke und das Eis zu zahlen. Da fing das Wochenende schon gut an. Am Sonntag waren wir zum Geburtstags-Grillen in einen heimischen Garten eingeladen, schon am frühen Nachmittag – aber das war kein normales Grillen (das befreundete Grillmeister-Ehepaar war extra aus Gütersloh angereist) – es war eine, im positivsten Sinne des Wortes, Grill-Orgie! Alles, außer den Beilagen-Salaten, wurde auf dem Grill zubereitet. Vom grünen Spargel mit Tomaten und Schafskäse, über original Rodizio, bis hin zum New York Cheesecake. Da machte es absolut Sinn, so früh anzufangen.
Am Montag waren wir dann zu einer Golfrunde im Münchner Umland mit anschließendem Essen auf der Clubterrasse eingeladen. All das bei strahlendem Sonnenschein, keinen Meter im Stau, keine Sicherheitskontrollen, kein großes Gepäck. Nur mit guter Laune und lieben alten Freunden. Damit meine ich die Dauer der Freundschaften und ja, auch ein bisschen das Alter. In meinem, da schätzt man es nämlich sehr, wenn man mehr Zeit mit Feiern verbringt als mit der Anreise.