Park-Posse: Politiker macht Druck

von Redaktion

Nach Merkur-Bericht über hohe Geldforderung: Ärger um wirre Carsharing-Schilder

Stationäres Carsharing muss besser beschildert werden, findet Stadtrat Roland Hefter. © Marcus Schlaf

Wer weniger als 12.500 Kilometer pro Jahr fährt, kommt mit einem Carsharing-Auto günstiger weg als mit einem eigenen Pkw, heißt es. Eigentlich. Der Münchner Emre San hat da eine ganz andere Erfahrung gemacht. Für 13 Minuten Fahrt soll er insgesamt rund 670 Euro zahlen – wobei die Fahrt lediglich 4,37 Euro ausmacht. Denn San stellte das Auto des Anbieters „Free2Move“ auf einem Parkplatz an der Kreuzung Pariser/Lothringer Straße ab. Dort dürfen aber nur Fahrzeuge der Firma „Stattauto“ abgestellt werden. Es wurde abgeschleppt. Kosten: satte 595 Euro. Dazu kommen 70 Euro Gebühren, weil jemand von Free2Move das Auto abholen musste (wir berichteten).

Gekennzeichnet ist der Parkplatz mit einem Schild, auf dem „Stattauto“ steht. Das Schild sei eine „Irreführung des Verbrauchers“, findet Emre San. Der Meinung ist auch Stadtrat und Musiker Roland Hefter (SPD). Was das Schild genau bedeutet, wisse kaum jemand, ärgert sich Hefter. „Der Firmenname ist zu unbekannt. Das Schild kapiert keiner“, sagt er. Das Konzept müsse besser erklärt werden. Wenn es nach ihm ginge, müsste draufstehen: „Nur für Autos der Firma Stattauto. Autos von anderen Anbietern können ‚blöderweise‘ abgeschleppt werden.“ Für das Zusatzschild ist das Mobilitätsreferat zuständig. Dort hält man es für eindeutig.

Das Konzept, dass Stattauto überhaupt exklusive Parkplätze hat, findet Hefter nicht gut. „Das ist wie wenn im öffentlichen Raum Ladestationen für E-Autos stehen würden, die aber zum Beispiel nur für Fahrzeuge von Tesla sind.“ Allerdings sei das Mobilitätsreferat vom Stadtrat in der vorigen Legislaturperiode beauftragt worden, Stellplätze für stationäres Carsharing festzulegen, sagt eine Sprecherin auf Anfrage.

Das heißt, Carsharing-Fahrzeuge werden zum Beispiel an festen Stationen abgeholt und müssen dort auch wieder abgestellt werden. Stattauto und Carvia hätten eine Ausschreibung für stationäres Carsharing für sich entschieden, so die Sprecherin. Stattauto zahlt extra Gebühren für 172 solcher städtischer Flächen – um dort exklusiv parken zu dürfen. Diese Parkplätze würden aber in „erheblichem Umfang“ von Autos anderer Anbieter blockiert, heißt es. Stattauto lässt seine Stellplätze regelmäßig kontrollieren – und bei Bedarf wird eben abgeschleppt.

Das sei ihm und auch seinen Kollegen nicht bewusst gewesen, sagt Hefter. Und von der Praxis, dass die Autos von anderen Anbietern auf Kosten der Nutzer abgeschleppt werden, ist er schockiert. Dann müsste zumindest die Beschilderung unmissverständlich sein, findet er. „Ich werde diese Praxis im Stadtrat ansprechen. Denn sie schadet dem Grundgedanken des Carsharings.“

Hefter findet außerdem, dass dringend evaluiert werden sollte, wo es mehr und wo weniger Carsharing-Plätze in der Stadt braucht. „Ansonsten entwickelt sich ein Groll bei den Bürgern gegenüber der Verkehrswende.“ Denn teilweise seien Carsharing-Parkplätze mehrere Tage lang unbenutzt, während etwa Anwohner in dieser Zeit überhaupt keinen Parkplatz finden. „Da muss genauer hingeschaut werden.“FRANZISKA WEBER

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