Bürgermeisterin Verena Dietl testete gestern einen der neuen Pfand-Automaten auf dem Markt. © Marcus Schlaf
Das System ist simpel: Schale oder Becher mit Speisen und Getränken kaufen, genießen – danach zum Automaten gehen, den Barcode scannen, die Klappe öffnet sich, Geschirr einlegen. Zum Schluss gibt es einen Euro Pfand für einen Becher oder fünf Euro für eine Bowl zurück. So funktioniert das neue Mehrwegsystem am Viktualienmarkt (wir berichteten). Das Pilotprojekt der Stadt läuft fünf Jahre. Rund um die Uhr können Besucher das Geschirr an fünf Automaten-Standorten zurückgeben. Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) präsentierte das System gestern und sprach von einem „Meilenstein“ gegen Wegwerf-Geschirr. Noch immer griffen einige weiterhin zu Einweg-Produkten. „Dem wollen wir entgegentreten“, so Dietl. Das Projekt soll Alternativen bieten.
Die Stadt hatte bereits vor rund zwei Jahren eine Satzung erlassen: Händler sollten nur noch „wiederverwendbare Verpackungen und Behältnisse sowie Mehrwegbesteck“ ausgeben. Anfang 2025 trat sie in Kraft. Einige Händler reagierten verärgert und leiteten ein Normenkontrollverfahren dagegen ein, das nach Angaben von Marktvertretern noch läuft. Zurzeit bieten Stände ihren Kunden weiterhin auch Einweg an. Das Kommunalreferat dazu: Das Ziel bleibe, langfristig davon wegzukommen. Den Umgang mit dem Pilotprojekt wolle man nun bis Ende des Jahres beobachten und sich dann erneut mit den Standbetreibern zusammensetzen.
Derzeit beteiligen sich zehn von 50 Standbetreibern, weitere sollen folgen. Die Reaktionen sind gemischt: „Wir wollen alle weniger Müll, aber wir wünschen uns, dass das nicht nur hier eingeführt wird“, sagt Sabine Kroiß, Vertreterin der Standlleute. Die Betreiber begrüßten es, wenn das System auf andere Areale der Stadt ausgeweitet würde. Rund um den Markt gibt es weiterhin Einwegverpackungen. „Dann kaufen Leute dort, überqueren die Straße und werfen den Müll bei uns weg“, kritisiert Kroiß. Das Kommunalreferat dazu: Das Pilotprojekt diene als Modell für weitere öffentliche Orte oder Verkehrsknotenpunkte.
Die Teilnehmer zahlen eine fixe Gebühr von rund 35 Euro im Monat. Dazu kommen etwa Spülkosten, was eine Firma übernimmt. Wie hoch diese ausfallen, stehe noch nicht fest, so der Anbieter. Auch die Stadt zahlt: Für den gesamten Pilotzeitraum rechnet das Kommunalreferat mit rund 500.000 Euro – für Anschaffung, Betrieb und Wartung der Automaten. Allerdings könnten sich die städtischen Kosten deutlich verringern, etwa durch Fördergelder oder Werbepartner.JULIAN LIMMER