Die Gemeinschaftsküche des Hauses liegt im Keller.
Das Haus an der Sandstraße in Ramersdorf. Amélie Lamisse ist inzwischen ausgezogen.
Beengte Verhältnisse: Amélie Lamisse in ihrem neun Quadratmeter kleinen Zimmer. © Jens Hartmann (2)/Isabel Winklbauer
Noch vor zwei Wochen wusste Amélie Lamisse (20) manchmal gar nicht, wie sie sich drehen und wenden sollte, wenn sie zu Hause war. Ihr WG-Zimmer war so klein, dass nur ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch und ein Stuhl hineinpassten. „Der Raum hatte neun Quadratmeter, möbliert“, sagt sie, „dafür habe ich 710 Euro warm gezahlt – 670 Euro Grundmiete plus 40 Euro Nebenkosten.“
Das Zimmer, in dem die Studentin der Physiotherapie seit September vergangenen Jahres wohnte, liegt in einem Reihenhaus an der Sandstraße in Ramersdorf. Zehn Zimmer gibt es hier für Studenten. Auf dem Portal wg-gesucht.de waren sie inseriert als „WG-Haus in Perlach“ und beschrieben als „Zimmer auf drei Etagen“ in einem „charmanten, modernen Haus mit Wohlfühlfaktor“. In einem Video leuchteten die angepriesenen Zimmer luxuriös und nagelneu. „Ohne persönliche Gegenstände und in 360-Grad-Perspektive sieht in dem Film alles größer aus. Deshalb, aber vor allem weil mein Studium bald anfing und ich unter Druck stand, habe ich mich hier eingemietet“, sagt Amélie.
Die Wirklichkeit sah anders aus. Das gemeinsame Etagenbad für vier Bewohner hatte nur rund vier Quadratmeter. „Meine Sachen konnte ich da nicht lassen. Ich habe mir ein Bad-Wägelchen mit Handtüchern und Pflegeprodukten zugelegt, das ich dann immer reinschob.“ Aber nicht nur die beengten Verhältnisse, auch die Gemeinschaftsräume seien problematisch gewesen, erzählt die Studentin. „Die Küche des Hauses liegt im Keller, weshalb sie ziemlich dunkel ist und sich nur schlecht lüften lässt. Es roch andauernd nach Essen. Die Kühlschränke waren zu klein für acht Leute und der Herd zwei Mal kaputt.“ Obendrein sei die Zugehfrau wochenlang nicht erschienen.
Den Vermieter des WG-Hauses an der Sandstraße zu kontaktieren – laut Vertrag ein gewisser Artug C. in München – ist derweil gar nicht so einfach. Denn die gesamte Kommunikation mit den Bewohnern führt dieser per Whatsapp über einen Mitarbeiter namens Timon K. Der steht auch in dem Online-Inserat als Kontaktmann für die Firma 089 Apartments. Deren Internetseite 089apartments.com ist allerdings nicht erreichbar. Eine andere Firma, die K. in seinem Whatsapp-Profil angibt, heißt Mietbase Solutions GmbH. Deren Homepage www.mietbase.de ist ebenfalls nicht aufrufbar.
Ein Anruf unserer Zeitung bei Timon K. wurde vom Anrufbeantworter entgegengenommen, auf eine Anfrage per E-Mail antwortete er nicht. Auch die Handynummer von Vermieter Artug C. antwortet per Anrufbeantworter, ebenfalls ohne Rückruf.
Ihren Mietvertag hat Amélie Lamisse vergangenes Jahr via Whatsapp ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und an K. verschickt. Sie musste den Monat August mitbezahlen, obwohl sie die Unterkunft erst ab September brauchte – „sonst könne man mir das Zimmer nicht reservieren, hieß es.“ Außerdem musste sie sich für einen festen Zeitraum verpflichten. Zwölf Monate muss sie zahlen, also bis Juli. Es sei denn, sie findet rasch einen Nachmieter.
Amélie ist inzwischen umgezogen: Sie hat jetzt 32 Quadratmeter in Laim, für fast dieselbe Miete, rund 750 Euro warm. Für das WG-Schachterl zahlt sie immer noch.ISABEL WINKLBAUER