Der Gründer des israelischen KI-Unternehmens Autobrains Igal Raichelgauz vor einem Testfahrzeug. © Autobrains
Einfach einsteigen, sich durch die Stadt kutschieren lassen – ganz ohne eine Person hinterm Lenkrad, die bremst oder einparkt. Genau das könnte in München bald Realität werden: Der Fahrdienstvermittler Uber und die israelische KI-Firma Autobrains wollen hier selbstfahrende Robotaxis testen. Langfristig soll eine Flotte mit autonomen Fahrzeugen aufgebaut werden. Die bayerische Landeshauptstadt dient als europäische Teststadt. „München und Deutschland gehören zu den Zentren der Automobilbranche“, begründet das Autobrains-Gründer Igal Raichelgauz gegenüber unserer Zeitung. Gleichzeitig seien die gesetzlichen Standards und Sicherheitsanforderungen hier besonders hoch: „Wenn wir es hier schaffen, können wir es überall schaffen.“
Vor ein paar Tagen startete Autobrains in München eine erste Pilotphase – dabei werden noch keine regulären Fahrgäste befördert –, teilnehmen dürfen zunächst nur Testpersonen und ausgewählte Passagiere. Im nächsten Schritt wolle man zusammen mit Uber bereits kommerzielle Fahrten für echte Fahrgäste anbieten: „Allerdings erst noch mit einem Sicherheitsfahrer an Bord, der im Notfall eingreifen kann“, so Raichelgauz. Im letzten Schritt sollen die Fahrten dann ohne einen solchen Fahrer möglich werden. Gestartet werden soll zunächst in ausgewählten Bereichen Münchens – etwa auf Strecken vom Büro der Firma am Olympiapark oder vom Flughafen in die Stadt oder innerhalb der gesamten Innenstadt. „Der Plan ist, dass Fahrten künftig in ganz München möglich werden“, so Raichelgauz
Der Zeitplan dafür sei ehrgeizig, so der Firmenchef. Bereits heuer soll das Projekt vorangetrieben werden. „Alle Meilensteine wollen wir voraussichtlich bis Mitte nächsten Jahres erreichen.“ Auch das Angebot ohne menschlichen Fahrer. Dafür arbeite man bereits mit Regierungsbehörden zusammen.
Das Besondere an der Partnerschaft mit Uber: Die Technik von Autobrains ermöglicht es, beim autonomen Fahren auf maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge zu verzichten. Solche nutzt etwa bereits die Google-Tochter Waymo für ihre eigenen Robotaxi-Flotten – im Einsatz sind diese bislang hauptsächlich in den USA.
Demgegenüber setzt Autobrains auf ein spezielles Modell, das auch in normale Serienfahrzeuge eingebaut werden kann – ohne große Umbauten oder spezielle Sonderanfertigungen: Es brauche lediglich sechs unterschiedliche Standardkameras, um autonomes Fahren auch in Serienfahrzeugen zu ermöglichen, sagt Raichelgauz. Genutzt wird eine „Agentic AI“: Dabei werden die Fahraufgaben auf verschiedene KI-Systeme aufgeteilt – beispielsweise eines für Vorfahrtsregeln oder eines für Spurwechsel.
Aktuell läuft der Versuch der Autobrains-Pilotphase in München mit einem Ford. Perspektivisch soll die Technologie auch für andere Automarken wie BMW oder VW zur Verfügung stehen. Welche genau für Uber als Erstes durch München rollen sollen, ließ er offen.
Für den Einsatz autonomer Fahrzeuge sind außerdem entsprechende Genehmigungen erforderlich. Stand jetzt: Beim zuständigen Kreisverwaltungsreferat (KVR) sei bislang noch kein Antrag des Konsortiums eingegangen, so die Behörde. Sobald dieser vorliegt, werde er unter Einbindung weiterer zuständiger Stellen geprüft.JULIAN LIMMER