Der Erfinder schickte Licht durch Prismen.
Joseph Fraunhofer wurde nur 39 Jahre alt. © Dt. Museum
Der digitale Zwilling von Joseph Fraunhofer beantwortet Fragen der Besucher im Deutschen Museum. © Aristidis Schnelzer
Fragt man den digitalen Zwilling von Joseph Fraunhofer nach dem Wetter, schweigt er. „Vielleicht war das unter seiner Würde“, meint Eckhard Wallis, Kurator der Ausstellung zum 200. Todestag des berühmten Optikers und Wissenschaftlers. Das Deutsche Museum zeigt nicht nur Messinstrumente, Fernrohre und Spektrometer des Forschers, sondern lässt Fraunhofer auch selbst zu den Besuchern sprechen. Sein verschmitzt zwinkernder Avatar ist KI-generiert und lernt täglich dazu.
Zehn Tage lang beantwortet Fraunhofer in Lebensgröße vom Bildschirm aus Fragen aller Art – in mehreren Sprachen, sogar auf Bairisch. Am besten kennt er sich natürlich mit seiner eigenen Forschung aus: „Das Spektrometer, oder genauer mein Spektralapparat, steht direkt vor mir. Er zerlegt das Licht in seine Farben und zeigt dunkle Linien, die wir heute als Fraunhofer-Linien kennen. Möchten Sie ihn genauer ansehen?“ Zwei handkolorierte Darstellungen des Spektrums mit diesen Linien befinden sich im Archiv des Museums. Wer noch tiefer in Fraunhofers Welt eintauchen möchte, kann die QR-Codes an den Exponaten scannen.
Dabei erfährt man auch viel über den Mann mit der bewegenden Lebensgeschichte, der am 7. Juni 1826 im Alter von nur 39 Jahren in München starb. Fraunhofer baute nicht nur herausragende Teleskope, sondern gilt auch als einer der Väter der Astrophysik. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass er aus einfachen Verhältnissen stammte und als Jugendlicher beinahe ums Leben gekommen wäre. Der 1787 als elftes Kind eines Glasermeisters in Straubing geborene Fraunhofer verlor früh seine Eltern und arbeitete als Glaserlehrling in München. Trotz seines Talents durfte er weder lesen lernen noch eine Schule besuchen.
Als das Haus seines Lehrmeisters 1801 einstürzte, überlebte er wie durch ein Wunder. Danach förderten ihn Kurfürst Maximilian IV. Joseph und der Fabrikant Joseph von Utzschneider.
Im Archiv des Deutschen Museums befinden sich Briefe, die Fraunhofer an einen befreundeten Forscher schrieb. Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg und Löschwasser, das nach den Bränden zum Einsatz kam, waren sie fast unlesbar geworden. Mithilfe von UV-Fotografie konnten sie in der Bayerischen Staatsbibliothek nun weitgehend entziffert und ausgewertet werden. Den Briefen zufolge gelang Fraunhofer eine außergewöhnlich präzise Vermessung des Lichts. „Genaueres möchte vielleicht auch für Menschenhände, welcher Maschine man sich auch bedienen mag, nicht wohl möglich seyn“, schreibt er.
Diese Genauigkeit ermöglichte es ihm, die Wellenlängen der Farben exakt zu bestimmen und eine wichtige Grundlage für die Bestätigung der Lichtwellentheorie zu schaffen. Mit welcher Apparatur er die feinen Gitter herstellte, verraten die Briefe jedoch nicht – dieses letzte Geheimnis hat Fraunhofer mit ins Grab genommen.GABRIELE WINTER