Ist es nur eine Woche her? Oder schon 60 Jahre? Oder gar bereits eine Ewigkeit? Oder war gestern noch alles ganz anders? Die Zeitmaschine spielt verrückt bei 1860! Und wirbelt einen durcheinander, dass einem schwindlig wird. Gibt es noch eine Realität, auf die man sich verständigen kann.Oder ist alles nur noch Wunschtraum und Albtraum zugleich?
Ich sortiere mal: Vor genau einer Woche feierten wir im „Pschorr“ mit aktuellen Repräsentanten der Löwen, mit Mitgliedern der Meistermannschaft von 1966, mit alten Weggefährten und Blaskapelle und beschworen schöne Zeiten herauf, einmal Löwe, immer Löwe. Gleichzeitig wussten wir auch vor sieben Tagen schon von schrecklichen Nachrichten, die einfach nicht wahr sein durften. Vielleicht alles nur Bluff. Das kennt man doch. Uns kann keiner. Die Legende, die Marke, die Treue der Fans – das ist doch alles einmalig. 2017 haben wir doch auch überlebt. Es gibt auch ein Leben in der dritten Liga.
Und jetzt? Es geschah einen Tag vor einem Feiertag. Da kommt zunächst mal ein zeitungsloser Tag. Für Funk, Fernsehen und neue Medien muss man ja keine Zeit haben. Also weiter hoffen. Aber was? Nicht einmal das steht fest. Löwenfans haben überhaupt keinen festen Boden mehr unter den Füßen. Also nur noch „über die anderen schimpfen“?
Zum Glück war niemand die ganze Zeit am Ruder. Da gibt es immer noch „andere“, die an irgendwas schuld sein können. Der falsche Investor, die falsche Geschäftsführung, die falsche Vereinsführung, der falsche Trainer, die falsche Aufstellung. Nur Fans wissen alles richtig. Aber halt: nur die eigenen natürlich. Die anderen arbeiten ja schon seit Jahren unbeirrbar am Niedergang, am trostlosen Ende des Vereins. Die eigenen aber garantieren ihm das ewige Leben. Wie heißt es so richtig: „Einmal Löwe, immer Löwe.“
Aber der König der Tiere lebt nun einmal – und zwar ganz im Ernst – in der Wüste. Ist das jetzt die Realität? Da war die Zeit der Wunschträume schon schöner, wenn auch nicht real. Gibt es vielleicht doch irgendwo und irgendwie einen Aufschwung? Es muss ja nicht gleich ein Aufstieg sein. Obwohl: Schöner wär’s schon.
Also, 1860-Fans! Seid mal fürs Überleben, und zwar gemeinsam! Schon das wird die Sportwelt aufhorchen lassen. Und wenn sich ein Geldgeber findet, warum auch immer: Vielleicht mal begrüßen und willkommen heißen, nicht gleich brandmarken und verdammen! Und bei den nächsten Wahlen: mal zusammenstehen, nicht immer „reinen Tisch machen“! Und noch ein Geheimtipp: Es gibt nicht nur Fußball, ganz im Ernst. Mal die anderen Abteilungen loben, arbeiten lassen und als Vorbilder anerkennen. Die verstehen nämlich was vom Überleben.