Die Pumuckl-Ampel im Lehel geht auf eine Initiative des Bezirksausschusses zurück. © Jens Hartmann
Wer im Bezirksausschuss (BA) sitzt, braucht neben politischem Gespür bisweilen auch einen Sinn für Humor. Im BA 1 Altstadt-Lehel etwa landen die unterschiedlichsten Anliegen zuerst auf dem Tisch der Vorsitzenden Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) – manche davon sind durchaus kurios.
Mit einem Schmunzeln erinnert sich die gerade im Amt bestätigte Vorsitzende an den Wunsch eines österreichischen Mitbürgers, „ganz wie im schönen Wien“ mobile Würstelstände einzurichten. Der Mann schwärmte in seinem Schreiben von den dortigen nächtlichen „Würstlmännern“, die Hungrige bis spät in die Nacht mit heißen Würsten versorgen und zugleich Orte spontaner Begegnungen seien. Ein anderes Mal sorgte ein Versprecher während einer hitzigen Sitzung für allgemeine Erheiterung: Statt über „Hundekotbeutel-Spender“ ließ die Vorsitzende versehentlich über „Hundekot-Spender“ abstimmen – was zu Gelächter führte.
Für Verwirrung sorgte dagegen 2021 ein Schild an der Ludwigsbrücke, das als Einladung zum öffentlichen Urinieren an der Isar missverstanden wurde. Begeistert machte ein Bürger dem BA den Vorschlag, sogenannte Kompost-Urinale nach französischem Vorbild aufzustellen, und verwies auf den „diesbezüglich frequentierten Vorgarten von St. Lukas“ im Lehel. Die Aufklärung der Stadt brachte Licht ins Dunkel: Bei dem Schild handelte es sich um einen Hinweis auf das benachbarte Lokal „Boazn“, eine ehemalige „Öffentliche Bedürfnisanstalt“ – und keineswegs um eine Einladung zum Wildbieseln.
Besonders skurril war auch der Antrag aus einer Bürgerversammlung, Altstadt und Lehel wieder in zwei getrennte Bezirksausschüsse aufzuteilen. „Wir sind ohnehin schon der kleinste Stadtbezirk Münchens“, sagt die Vorsitzende, rückblickend immer noch verwundert.
Doch hinter den kuriosen Episoden steckt auch eine ernsthafte Entwicklung. Die Zahl der Bürgeranliegen habe zuletzt stark zugenommen. Vor allem Beschwerden über Lärm, Schmutz und Parkplatzmangel beschäftigten den BA regelmäßig. Gleichzeitig habe sich der Ton verändert. „Die Erwartungshaltung ist heute enorm hoch“, sagt die Vorsitzende. Viele Bürger erwarteten innerhalb weniger Stunden Antworten – obwohl die Arbeit im BA ehrenamtlich geleistet wird.
Dennoch habe sich die Kultur im BA deutlich verbessert. Heute würden nahezu alle Anliegen behandelt, beantwortet oder an die Verwaltung weitergegeben. Dass dabei viel Positives entsteht, beweist ein Projekt, auf das die Vorsitzende besonders stolz ist: die beliebte „Pumuckl-Ampel“ im Lehel. Die Idee geht ursprünglich auf einen Antrag des BA zurück.NVS