Gelbe Tonne: Sind wir startklar?

von Redaktion

Alles neu ab 2027 – das ändert sich bei der Entsorgung von Verpackungsmüll

Damit soll Schluss sein: Berg aus Müllsäcken an einer Wertstoffinsel in Pasing-Obermenzing. © Müllwende

Bettina Kudla hat das neue System schon getestet. 2027 soll es in ganz München eingeführt werden. © Marcus Schlaf

Ab Januar 2027 soll die Gelbe Tonne schrittweise und flächendeckend im gesamten Stadtgebiet etabliert werden. Bislang werden Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen – etwa Joghurtbecher, Konservendosen oder Tetra-Paks – über die öffentlichen Container an den Wertstoffinseln entsorgt. Künftig sollen dort nur noch Glascontainer stehen. Ziel der Umstellung ist es, die Mülltrennung zu vereinfachen und Wertstoffe effizienter zu recyceln.

Eine, die das neue System schon getestet hat, ist Bettina Kudla. Die Allacherin findet das neue System umwelt- und kundenfreundlicher. „Man kann dann auch täglich das Plastik entsorgen. So hatte man doch immer einen Sammelmüllsack mehrere Tage rumstehen,“ sagte Kudla während der Testphase.

Für die Wohnungsunternehmen der Stadt bringt die Einführung jedoch extreme organisatorische Herausforderungen mit sich. Besonders die Frage nach ausreichend Platz für zusätzliche Müllbehälter beschäftigt Vermieter und Hausverwaltungen. Beim größten kommunalen Wohnungsunternehmen der Stadt, der Münchner Wohnen, hat man sich frühzeitig mit der Einführung der Gelben Tonne auseinandergesetzt. Derzeit werde die Situation für jede Liegenschaft geprüft, hieß es.

Kein leichtes Unterfangen bei über 70.000 Wohnungen. Je nach Quartier und baulicher Struktur seien die Voraussetzungen höchst unterschiedlich. „Während neuere Wohnanlagen oder größere Standorte häufig ausreichend Platz bieten, kann es insbesondere in älteren Bestandsanlagen mit begrenzten Flächen zu Anpassungen kommen.“

Wo nötig, würden deshalb individuelle Lösungen entwickelt. Dazu zählen etwa die Optimierung von Behältergrößen oder – sofern möglich – auch bauliche Veränderungen. Ziel bleibe, die Einführung der Gelben Tonne möglichst unkompliziert für die Mieter zu gestalten. Ähnliches berichtet auch das Wohnungsunternehmen Danowia. So sollen dort Müllbereiche neu geordnet werden, wenn der Platz nicht reicht.

Bei Vonovia sieht man die Einführung grundsätzlich positiv, verweist aber auf praktische Schwierigkeiten. „In den meisten unserer Quartiere fehlt aus Platzgründen die Möglichkeit, zusätzliche Tonnen aufzustellen“, heißt es bei Vonovia. Entscheidend sei eine umfassende Information der Mieter durch den Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM). Nur wenn die Mülltrennung konsequent funktioniere, würde das Restmüllvolumen deutlich sinken.

So könnten dann auf den Platz der Restmüllcontainer teilweise Gelbe Tonnen gestellt werden, wodurch im Idealfall die Müllgebühren für die Verbraucher sinken. Allerdings schreibt der AWM: „Wie stark sich die Einführung der Gelben Tonne insgesamt auf die Zahl der Restmüllbehälter auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht belastbar prognostizieren. In dem vom AWM durchgeführten Pilotprojekt zur Einführung der Gelben Tonne kam es zu keiner signifikanten Abmeldung von Restmüllbehältern.“ Sollten infolge der Einführung der Gelben Tonne weniger oder kleinere Restmüllbehälter benötigt werden, könnte sich dies auf die Gebühreneinnahmen des AWM auswirken.

Mit der flächendeckenden Einführung der Gelben Tonne steht München damit vor einer der größten Veränderungen im Bereich der Abfallentsorgung seit Jahren. Ob das neue System langfristig erfolgreich ist, wird nicht nur von der Infrastruktur, sondern vor allem vom Mitwirken der Bürger abhängen.GABRIELE WINTER

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