Das neueste Projekt im Viertel: Das Altera Urban Office soll bis zum Jahr 2028 in der Schwanthalerstraße entstehen und moderne Büroflächen bieten. © Angularis
Gläserne Fassaden moderner Gebäude säumen die Straßen, sie stehen zwischen historischen Stuckbauten und glatten Betonfassaden. Auf ihren Dächern wachsen teils kleine grüne Büsche und Sträucher in den Himmel. Offene Innenhöfe mit Restaurants und Terrassen ziehen Passanten von der Straße an. So soll die milliardenschwere Zukunft des Bahnhofsviertels aussehen. Noch prägt jedoch ein anderes Bild das Viertel: Kräne, Bauzäune und Sichtschutzplanen. Kaum ein anderes Münchner Viertel wandelt sich derzeit so stark. Rund 250.000 Quadratmeter Fläche befinden sich hier aktuell in Entwicklung, im Bau oder in Planung. Unser Überblick – er beginnt mit dem jüngsten Projekt, das erst gestern öffentlich vorgestellt wurde.
Altera Urban Office: Wie ein riesiges Trapez aus Metall und Glas soll es sieben Stockwerke hoch in die Höhe ragen. Dahinter ist ein Gartenhaus mit fünf Geschossen geplant. Der Projektentwickler Angularis plant in der Schwanthalerstraße 73 das moderne Bürogebäude mit einer Gesamtmietfläche von rund 7500 Quadratmetern. Ein Bauantrag sei bereits eingereicht worden, heißt es. Bis 2029 soll das Vorhaben abgeschlossen sein. Angularis hatte das Grundstück, auf dem derzeit noch ein altes Gebäude steht, vor rund einem Jahr erworben.
The Verse: Auf dem Areal des ehemaligen Postbank-Karrees, nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt, entsteht derzeit eines der größten Bauprojekte der Stadt (Mittererstraße 4): „The Verse“, ein gemischt genutztes Quartier mit Büros, Gastronomie, Fitnessangeboten, Einzelhandel und Eventflächen. Die Mietfläche soll rund 76.000 Quadratmeter betragen – etwa 15-mal so viel wie die Fläche des Münchner Marienplatzes. Bis zu 3000 Menschen sollen dort künftig arbeiten. Im Erdgeschoss soll ein öffentlicher Innenhof mit Bäumen, Gastronomieangeboten und Terrassen entstehen. Auf dem Dach sind ein Dachgarten, eine Laufbahn und ein Padel-Tennis-Platz geplant. Zuletzt lief der Hochbau des Gebäudes, anschließend sollte mit dem Bau der Fassade begonnen werden. Bis 2028 soll das Projekt abgeschlossen sein.
Franz-Marc-Quartier: Direkt gegenüber wird ebenfalls gebaut, nachverdichtet und aufgestockt. Die Projektentwicklerfirma Ehret und Klein revitalisiert derzeit die historischen Gebäude in der Schwanthalerstraße 55 und 57. Entstehen sollen moderne Flächen für Gastronomie, Gewerbe und Büros. Zudem ist ein öffentlicher Innenhof mit Terrassen und Bistro-Flair geplant. Die ersten Nutzer sollen Ende 2027 einziehen. Seinen Namen verdankt das Projekt einem berühmten ehemaligen Bewohner: Franz Marc, einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus, soll hier einige Jahre seiner Jugend verbracht haben.
The Stack: Ebenfalls nur wenige Häuser weiter entfernt steht das markante HolzHybrid-Bürogebäude (Ecke Schwanthaler- und Goethestraße). Das Projekt befindet sich auf der Zielgeraden und soll bald fertiggestellt werden. Auf dem Dach entsteht eine begrünte Fläche mit mehreren Dachterrassen. Die gesamte Mietfläche des Gebäudes umfasst rund 17.000 Quadratmeter. Demnächst wird dort auch ein prominenter Mieter einziehen: der Schweizer Biotechnologie- und Pharmakonzern Novartis.
Hauptbahnhof: Das mit Abstand gewaltigste Projekt. Ein riesiger Koloss aus Glas, mit lichtdurchfluteten Empfangshallen und einem knapp 70 Meter hohen Büroturm am Starnberger Flügelbahnhof – bis der Münchner Hauptbahnhof so aussieht, werden noch viele Jahre vergehen. Der Neu- und Umbau des Münchner Hauptbahnhofs besteht aus mehreren Teilabschnitten. So könnte die Tiefstation der zweiten Stammstrecke erst 2035 bis 2037 in Betrieb gehen. Der Neubau des Starnberger Flügelbahnhofs hängt weiterhin vom Genehmigungsverfahren ab und wird nach Angaben der Deutschen Bahn frühestens ab 2030 erfolgen. Das neue Empfangsgebäude soll etwa zwei Jahre nach der Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke fertiggestellt werden – also ebenfalls Mitte der 2030er-Jahre. Ursprünglich wollte die Bahn das Projekt bereits Ende der 2020er-Jahre abschließen. „Wir bauen heute deutlich mehr als ursprünglich geplant. Das bedeutet auch eine längere Bauzeit“, so die Bahn.
Auch Anlieger im Viertel verfolgen die Transformation ihres Stadtteils mit Spannung – wie Jennifer Becker, die Vorsitzende der Theatergemeinde München (Goethestraße 24). Sie engagiert sich auch im Verein Südliches Bahnhofsviertel, der die Entwicklung des Areals begleitet. „Es ist wichtig, dass Geld ins Viertel fließt“, sagt sie. Vieles sei alt und müsse dringend angepackt werden. Dennoch ist ihr besonders wichtig: „Es muss ein vielfältiges Viertel bleiben – vielfältig in seinen Menschen und Nutzungen.“ Dazu gehöre ein guter Mix aus Hotels, Gastronomie, Kulturangeboten und mehr Wohnungen. „Wir brauchen Leben auf den Straßen.“ Das bedeutet für sie auch: Die jetzigen Anwohner dürfen nicht verdrängt werden.LIM