Die Fluchtroute des Betrügers. © tz.de
Fabrizio S. soll mehrere Menschen per Wohnungs-Betrug an der Türkenstraße abgezockt haben. © privat
Er floh durch halb Europa vor der Polizei – jetzt ist Fabrizio S. (35) wieder in Deutschland. Unsere Zeitung erfuhr: Die Schweizer Behörden haben den mutmaßlichen Mietbetrüger von München ausgeliefert. Er ist wieder da! Aber nicht in München. Denn: Fabrizio S. muss erst mal woanders eine andere Strafe absitzen.
Die Vorwürfe gegen den gebürtigen Italiener wiegen schwer. Fabrizio S. soll Anfang 2025 eine Wohnung an der Türkenstraße an 17 verschiedene Interessenten vermietet haben. Problem: Sie gehörte ihm gar nicht. Der Miet-Abzocker hatte sich aber die Schlüssel besorgt und organisierte so Besichtigungen. Zu den Terminen machte er auf nobel, erschien im weißen Porsche und trug feine Anzüge. Opfer berichten, dass er vor dem Einzug vier Monatsmieten verlangte. Bei der verabredeten Schlüsselübergabe erschien er dann nicht mehr – stattdessen war er mit dem Geld geflohen. Mit dieser miesen Masche soll Fabrizio S. rund 150.000 Euro ergaunert haben.
Im Mai 2025 wurde Fabrizio S. in seiner Heimat Sizilien auf Basis eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Kurz vor der geplanten Auslieferung nach Deutschland im August konnte er jedoch untertauchen. Monatelang war er verschwunden. Erst im September 2025 wurde er schließlich in Lausanne (Schweiz) von der Polizei erwischt. Am 9. März wurde Fabrizio S. laut Staatsanwaltschaft München I nach Deutschland ausgeliefert – aber nicht nach München. Er sitzt laut Staatsanwaltschaftssprecherin Juliane Grotz aktuell eine Haftstrafe in einem deutschen Gefängnis ab. Nach Informationen unserer Zeitung in Baden-Württemberg.
Der Mann scheint ein notorischer Blender zu sein. Im Internet posierte er gern im feinen Zwirn mit schönen Frauen. Dabei wohnte er in Wirklichkeit in einer kleinen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Schäftlarn (Landkreis München). Bereits 2019 wurde er vom Landgericht München I wegen Betrügereien zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. 2024 verurteilte ihn das Landgericht Augsburg wegen Betrugs mit teuren Autos zu drei Jahren und drei Monaten. Die Staatsanwaltschaft arbeitet derzeit an der Anklage wegen des mutmaßlichen Mietbetrugs an der Türkenstraße. Wann es da zum Prozess kommt, ist unklar.T. GAUTIER