Ich habe keine Ahnung, woher der Gedanke kam. Aber er war plötzlich da: Wie war das noch mal mit dem Märchen, in dem Schweinen das Haus umgeblasen wird?
Früher hätte ich meine Oma gefragt, die kannte alle Märchen. Wirklich alle. Später wurde die Sache komplizierter. Zwar machte sich im Bücherschrank der große Brockhaus breit, 24 Bände vollgestopft mit dem Wissen der Menschheit. Aber unter welchem Buchstaben sollte ich da nachschlagen? Der Zugang zum Wissen drohte am fehlenden Vorwissen zu scheitern.
Erst das Internet, das uns eine neue Art des Wissenserwerbs namens „googeln“ bescherte, versprach Erlösung: Einfach ein paar Schlagwörter eintippen und darauf vertrauen, dass in der Sammlung von Fundstellen, die der Computer ausspuckt, das Richtige dabei ist.
Das hat lange funktioniert. Bis Google sich anmaßte, nicht mich schlau zu machen, sondern selbst schlau zu sein. Meine Google-Suche mit den Schlagwörtern „Schweine Haus umgeblasen“ landete jedenfalls bei einer Künstlichen Intelligenz, kurz KI, die sich wohl zum Helfer in allen Lebenslagen berufen fühlt. Ihr guter Rat: „Wenn ein Schweinehaus (…) umgeblasen wurde, sollten Sie die Schweine sofort in einem sicheren, windgeschützten Bereich (…) unterbringen.“
Das ist entweder der Beweis, dass KI zu Ironie fähig ist, oder das Ergebnis von KD (künstlicher Dummheit), gepaart mit Selbstüberschätzung. Glaubt Google denn wirklich, ein Schweinemäster, dem ein Sturm den Stall zerlegt hat, würde im Internet nachschauen, was er jetzt tun soll?
Was kommt als Nächstes? Schickt mir die KI den Rettungsdienst ins Haus, wenn ich über Herzinfarkt oder Schlaganfall recherchiere?
Offenbar gibt sich die schlau gewordene Suchmaschine nicht mehr mit ein paar hingeworfenen Brocken zufrieden. Mein zweiter Anlauf mit der ausformulierten Frage „wie heißt das Märchen, in dem ein Haus umgeblasen wird?“ führte zur richtigen Antwort: „Die drei kleinen Schweinchen“. Ich weiß nicht, ob die KI mich dazu erziehen will, mich in ganzen Sätzen mitzuteilen (was angesichts des allgegenwärtigen Messenger-Stakkatos durchaus löblich wäre). Sehr konsequent ist sie nicht. Ein zweiter Versuch tags darauf, wieder mit den drei Schlagwörtern vom ersten Mal, führte sofort zum richtigen Ergebnis, allerdings wurde ich diesmal geduzt: „Du suchst nach dem weltbekannten Märchen ,Die drei kleinen Schweinchen‘“.
Vielleicht ist „Die KI“ menschlicher, als ich dachte. Kein allwissendes Elektronenhirn, sondern eine Art Callcenter. Jedes Mal, wenn ich anrufe, ist jemand anderes dran. Der eine siezt mich und löst ein Problem, das ich nicht habe, die andere duzt, weiß aber wenigstens Bescheid. Fehlt noch der Pampige, der sich von meiner Anfrage gestört fühlt, und die, die mich wie Karl Valentins Buchbinder Wanninger zielsicher an die falsche Stelle vermittelt.
Meine Großmutter hätte sich über eine solche „Intelligenz“ köstlich amüsiert.