Neulich las ich wieder den Begriff „dritte Orte“. Je mehr unsere Kommunen drohen, umzukippen in unwirtliche Anti-Lebensräume – sprich: sauteure Luxuswohnungen alias Schwarzgeld-Gräber, leer stehende Häuser, glühend heiße Straßen und Plätze, durch die unsereins möglichst schnell huscht, und öde Überall-gleich-Geschäfte – , umso öfter treten die „dritten Orte“ als urbane Hoffnungsträger auf. Sie sollen echte Vitalität in die Bude bringen, und zwar für jede und jeden. Das bedeutet: kein Kommerz! Unser System Biergarten kommt dem nahe, bei Wirtshaus und Co. wird’s schon schwieriger.
Natürlich entstehen solche Plätze eher spontan. Vor der Alten Pinakothek in der Sonne liegen und flirten, lesen, den Wolken beim Wandern zuschauen, Brotzeit machen und Fußball spielen, – das schaffen die Münchner und ihre Gäste ganz allein. Und sich mehr oder weniger gemütlich in ein Bushäusl einquartieren, an dem eh nur zweimal in der Woche das Gefährt hält, praktizieren die jungen Leut’ am Land schon längst. Die Jugend ist überhaupt erfinderisch. Sie lässt die Beine von der Hackerbrücke baumeln, dass einem ganz anders wird, oder funktioniert eine Tankstelle zum, nun ja, lauschigen Treffpunkt um. Längst vergessen die alten „dritten Orte“ wie das Fensterbankerl, von dem aus man beobachten und ratschen konnte, beziehungsweise die Bank vorm Bauernhaus, die denselben Zwecken diente. Gemütlich, kostenlos, unterhaltsam, social-medial, aber analog griawig.
In dem Zusammenhang ist es interessant, dass sich bei uns einige der edelsten Kunst-Tempel seit zwei Jahren diesem „Kostenlos“ verschrieben haben. Das Vermittlungsteam des Lenbachhauses hat ein Gratis-Mitmach-Angebot im vergangenen Jahr im Kunstbau mit solch einem Erfolg getestet, dass heuer die „Buntes Garten Ciao“ folgt. Die Verballhornung von „Bundesgartenschau“ verweist auf den Schauplatz, den wunderbaren Garten der Künstlervilla. Es gibt Programm für Jung und Alt, vom Kaffeeklatsch bis Karaoke, vom Figurentheater-Kurs bis zum Gedenken an die Opfer des rassistischen Anschlags am OEZ (www.lenbachhaus.de).
Einen herrlichen Garten hat die Pinakothek der Moderne nicht, dafür „Flux“, eine knallbunte Häuschen-Landschaft der Künstlerin Morag Myerscough; ebenfalls seit 2025 existent und nun um ein Baumhaus erweitert. Was Klein und Groß dort finden, ist gleichfalls ein lockeres, lustiges, anregendes Zusammensein zwischen offener Bühne für die, die sich aufzutreten trauen, und „Guck & Schluck“ (www.flux-munich.com).