Seit 175 Jahren an der Münchner Pacellistraße beheimatet: der Bayerische Kunstgewerbeverein. © Bieber
Genau 175 Jahre lang gehörte er zur Münchner Kultur. Nie für die Massen, aber für hunderte Kunstinteressierte, die im Laufe der Zeit hier Stammkunden waren oder sind. Doch auch hier stirbt wieder ein Stück Tradition – ein paar Schritte neben dem Bayerischen Hof am Promenadeplatz. Die Verkaufsräume des Bayerischen Kunstgewerbevereins an der Pacellistraße machen zu.
An der Tür klebt ein kleines, rundes Wapperl. Auf dem steht: „Wir gestalten neu!“ – Doch das glauben die drei Damen nicht, die wir hier antreffen und die weder mit Foto noch mit Namen in der Zeitung stehen wollen. Ihre Kündigung zum 1. August haben sie schon bekommen. Sie sprechen von Misswirtschaft, von fehlender Perspektive. So stünde etwa der zweite Stock des Gebäudes schon seit Corona leer, früher war dort ein Büro drin. „Unmöglich“ sei überdies, dass nie etwas offiziell mitgeteilt worden sei.
Unsere Gesprächspartnerinnen berichten von Kunden, die „ihrem“ Laden seit Jahrzehnten die Treue halten. Die sich in der Galerie oft und lange umsehen, die Exponate zeitgenössischer Handwerker/Künstler bewundern, von Möbeln bis zu Mini-Schmuckstücken. Stammkunden mit offenen Augen und Geldbörsen. „Viele haben Tränen in den Augen und können nicht fassen, dass der Verein nie etwas mitgeteilt hat“, sagt das Trio. Die Damen sagen, dass das Gebäude nicht der Erzdiözese gehört, die im Areal ja so stark vertreten ist. Sondern dem Kunstverein. Allerdings sei die Kirche mit 20 Prozent beteiligt und habe per „uraltem Vertrag“ ein Vorkaufsrecht, falls der Verein jemals verkaufen sollte. Was jetzt wohl geplant sei.
Die Erzdiözese München-Freising bestätigt lediglich, dass die Pacellistraße 6-8 „im Miteigentum“ der Diözese stehe. Der Vereinsvorsitzende Bernd Traut hat sich auf unsere Anfragen nicht gemeldet. Die Mail ging am vergangenen Freitag raus.MATTHIAS BIEBER