MÜNCHNER FREIHEIT

Räumung mit Inhalt

von Redaktion

Stellen wir uns mal vor, dass München in Asien, also dort genau in Japan läge und auch die Isar durch sie flöße, dann könnte man jeden Tag ganz unbeschwert baren Fußes, gerne auch mit Hund, am Flusse wandeln. In diesem Land lernt man nämlich schon während der Schulzeit Orte so zu verlassen, wie man sie vorgefunden hat. Das konnte man bei deren WM-Spiel gegen Niederlande nach Abpfiff verblüfft beobachten. Bewaffnet mit blauen Müllsäcken, haben die japanischen Fans ihre Ränge von Müll befreit und es nicht den Reinigungskräften überlassen. Das ist aller Ehren wert. In unseren Gefilden verhält man sich bisweilen so, als wäre man mit einer Schar Bediensteter aufgewachsen, die einem den ganzen Tag hinterherräumen. Vor allem, wenn „grillaffines“ Wochenend-Wetter war.

Aber vielleicht, gerade weil bei uns dieses Sprichwort „Verlasse den Ort so, wie du ihn vorgefunden hast“ akribisch praktiziert wird, schaut es so aus! Wenn Sie heute früh in die Isarauen gehen, dann werden Sie viele Glasscherben, Papiertücher, Plastiksackerl, zuweilen auch einen Grill, Glas- und Plastikflaschen, Dekoartikel, Windeln, Schuhe, Essensreste und alles, was eine Grillfeier halt so hergibt, noch finden können. Logisch, wenn man das Isarufer so vorfindet, dann denkt sich auch keiner was dabei, wenn er seinen Müll einfach noch dazu legt.

Mir gefällt der Gedanke wirklich sehr, dass jeder Besucher, egal welcher Nationalität, seinen Unrat einfach wieder mitnimmt, den er zuvor ja auch als Verpackung hingebracht hat. Gibt es denn niemanden, der „fancy“ Müllbeutel erfinden kann? Aus recyceltem Material, auffällig bedruckt? So einen drückt man dann einem stadtbekannten Influencer mit Millionen Followern in die Hand, der macht es vor und sein „Gefolge“ macht es nach. Das wäre doch mal ein sinnvoller Content, oder?

Bis dahin wird es aber wohl wieder der Verein „Die Isarfischer“ mit ihren unzähligen freiwilligen Helfern erledigen, die „Bedienstete“ spielen und hinter den Herrschaften herräumen – am kommenden Samstag. Dabei werden ausschließlich Zigarettenstummel, (da brauche ich wohl nicht mehr erklären, wie ein einziger literweise gutes Isarwasser vergiften kann), Kronkorken und Glassplitter gesammelt. Es ist kaum zu glauben, wie viel da zusammenkommt. Und weil es so unglaublich ist, sollte man dabei sein, einen Anfang machen und damit ein Zeichen setzen. Packt die Badehose ein (zur Abkühlung danach), Müllsäcke, Handschuhe, festes Schuhwerk und nehmt das kleine Schwesterlein oder großen Bruder, die ganze Familie, Freunde, Bekannte und dann fahrt ihr an die Isar – ich hoffe, alle haben jetzt die bekannte Melodie im Kopf. Ramadama, damit der Müllsack richtig viel sinnvollen „Content“ kriegt!

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