Erzählte ihre Geschichte in der Öffentlichkeit: Schauspielerin Teresa Rizos (39). Sie will auf das riesige Problem mit gefälschten Bildern im Internet hinweisen. © Markus Götzfried
Teresa Rizos wird diesen Moment nie vergessen: Sie schaut auf den Bildschirm, entdeckt sich selbst auf einem Foto und muss erkennen, dass sie keine Chance hatte. Die Schauspielerin wurde Opfer eines Deepfakes, einer hochprofessionellen Fälschung im Internet. „Ich sah einen nackten Frauenkörper in einer pornografischen Pose – mit meinem Gesicht.“ Das Bild ist für die Münchnerin ein Riesenschock. „Das sah so echt aus“, sagt sie. „Und war für alle sichtbar.“ Im ersten Moment fühlt sie sich absolut hilflos. „Ich habe mich geschämt“, gesteht die 39-Jährige offen. Und das, obwohl sie absolut nichts Falsches getan hat.
Mit ihrer Geschichte, die sie am Mittwoch mutig bei einer Pressekonferenz im Bayerischen Justizministerium erzählt hat, möchte die Schauspielerin („Neue Geschichten vom Pumuckl“, „Servus Baby“ und „Dahoam ist dahoam“) aufrütteln. Und auf ein riesiges Problem hinweisen: gefälschte Fotos, Videos und Stimmaufzeichnungen, die im Internet auftauchen. 90 Prozent des Materials sind pornografisch. Die Opfer: überwiegend Mädchen und Frauen. Prominentester Fall ist die Geschichte der „Traumschiff“-Schauspielerin Collien Fernandes, die Vorwürfe gegen ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen erhebt. Und für eine deutschlandweite Diskussion über die Gewalt gegen Frauen im Internet sorgte.
Die neue Debatte über die juristischen Probleme hinter dem Phänomen kommt für Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) überraschend. Wie er betonte, fordert er seit vier Jahren härtere Strafen für die Täter. Im Jahr 2024 brachte der Münchner eine Gesetzesinitiative in den Bundesrat ein, um den strafrechtlichen Schutz vor sexualisierten KI-Bildern und anderen Deepfakes zu stärken. Der Bundesrat stimmte zu, aber: „Die damalige Ampel-Regierung blieb untätig.“ Dass das Thema im Koalitionsvertrag der neuen Merz-Regierung verankert ist, sei gut. Auch dass Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen sogenannten Referentenentwurf auf den Weg gebracht habe. Dieser geht Eisenreich mit einer Strafandrohung von zwei Jahren Haft aber „nicht weit genug“. Er fordert eine Strafandrohung von fünf Jahren Gefängnis. In seinen Augen müsse die Gewalt gegen Frauen im Internet wie ein Körperverletzungsdelikt bewertet werden. Auch für Letzteres drohen bis zu fünf Jahre Haft.
Wie tief die Verletzung geht, die ein gefälschtes Pornobild verursachen kann, beschrieb Teresa Rizos eindringlich. Ihr war das Foto so unangenehm, dass sie sich nicht traute, mit jemandem darüber zu sprechen. Mehr noch: Sie fragte sich sogar, ob sie die Täter irgendwie ermutigt haben könnte. Ihr größter Wunsch, dass das Bild einfach wieder verschwindet, erfüllte sich damals. Heute gibt es immer mehr, immer professionellere Deepfake-Pornovideos – sogar mit den gefälschten Stimmen der Opfer. Teresa Rizos ahnt, wie sich die betroffenen Frauen damit fühlen müssen.NADJA HOFFMANN