Verärgert: Caterina Saller von der Bar Uno an der Ludwigstraße. © Markus Götzfried
Hunderttausende Menschen werden bei der Parade am Samstag erwartet. Die Bühne ist am Odeonsplatz. © Uwe Lein/dpa
Der Christopher Street Day (CSD) steht vor der Tür. Hunderttausende Besucher feiern mit einem bunten Straßenfest zwischen Odeonsplatz und Siegestor vom 26. bis zum 28. Juni die Vielfalt. Doch vor der Bar Uno bleiben die Tische leer. Die Bar an der Ludwigstraße ist einer von knapp 40 Gastronomiebetrieben, die wegen des CSD ihre Freischankflächen nicht öffnen dürfen.
Die Bar-Chefin ist empört. „Das Schreiben vom KVR wurde uns erst letzten Donnerstag persönlich vorbeigebracht“, sagt Caterina Saller. Die Hiobsbotschaft: Bereits um 0 Uhr in der Nacht auf Donnerstag soll Saller ihre Freischankfläche abbauen, und erst um 15 Uhr am Montag wieder aufbauen. „Fünf Tage! Da können Sie sich vorstellen, was das finanziell für einen kleinen, inhabergeführten Betrieb bedeutet.“ Auch ein Wirt am Odeonsplatz ist „stinksauer“. Er will anonym bleiben, rechnet aber mit einem Verlust eines halben Monatsumsatzes.
Laut KVR sind insgesamt 39 Betriebe vom „Widerruf der Freischankflächen“ für die Politparade am Samstag von der Fraunhoferstraße zum Odeonsplatz betroffen, darunter einzelne Betreiber, die wegen Auf- und Abbau von Donnerstag bis Montag schließen müssen – wie die Bar Uno. Der Großteil sei bereits im Vorfeld darüber informiert worden. „Der Widerruf von Freischankflächen ist gängige Praxis, um bei Veranstaltungen und Versammlungen auf öffentlichem Grund Raum für Bühnen oder andere Aufbauten zu schaffen sowie Flucht- und Rettungswege frei zu halten“, schreibt eine KVR-Sprecherin.
Sallers Unverständnis richtet sich insbesondere gegen die „unterirdische Informationspolitik“ des Veranstalters. Beim letzten CSD sei den Anliegern versprochen worden, sich frühzeitig zu einem runden Tisch zu treffen und ein Konzept zu entwickeln, das für alle passt. „Stattdessen werden völlig überzogene Maßnahmen vorgenommen!“
CSD-Pressesprecher Conrad Breyer verteidigt das Vorgehen: „Sicherheit steht über allem. Es werden am Wochenende viele Menschen erwartet, weshalb das KVR die Freischankflächen widerrufen hat.“ Das KVR verweist auf die Polizei: Aufgrund von Nachmeldungen der Ordnungshüter seien „kurzfristig weitere Widerrufe“ notwendig geworden. „Vereinzelt“ seien Beschwerden von Gastwirten eingegangen, heißt es. Es sei in allen Fällen eine einvernehmliche Lösung gefunden worden. Auch Saller hat nach Gesprächen mit dem KVR Grund zur Hoffnung, die Einschränkungen noch schmälern zu können.D. POHL, D. POPA