Im Kofferraum des DS7 lag Gold. Nur ein paar Späne. Für Schleierfahnder der Grenzpolizei Lindau aber genug, um sich den Premium-SUV mal gründlicher anzuschauen. Nach ein paar Stunden hatten die Fahnder eine Million Euro in bar gefunden – und zwei selbst gegossene Goldbarren im Wert von 176.000 Euro. Alles versteckt in der Innenverkleidung und in der Mittelkonsole.
Der spektakuläre Fund Ende September 2025 auf dem Rastplatz Allgäuer Tor an der A7 kommt bald vor Gericht. Für die Münchner Justiz geht’s hier klar um Geldwäsche. Angeklagt ist der Schweizer Jörg W. (60). In seiner Heimat ist der Mann eine Legende. Dort nennen sie ihn den „Magier des Zylinders“ – weil er angeblich Schlösser mit der Haarnadel knacken kann. Jörg W. ist ein gut aussehender, gut gekleideter und höflicher Mann, der drei Sprachen spricht – und doch führte der Gentleman jahrzehntelang das Leben eines Gangsters. Laut Medienberichten wurde er schon mit 16 kriminell. 1998 floh er aus einem Gefängnis. Die Polizei fahndete sogar über die TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ nach ihm. 1999 wurde der gebürtige Schweizer in einem Zug gefasst – mit einem kroatischen Ausweis.
2009 bekam Jörg W. zweieinhalb Jahre Haft wegen mehrerer Einbrüche in der Schweiz. Nach dem Knast zog er nach Italien ins Grenzgebiet zur Schweiz, um sich nach eigener Aussage Frau und Kindern zu widmen – und brach einfach weiter in Häuser ein. Jahrelang kam er damit davon, doch 2016 bekam er für 23 Einbrüche eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Es war damals schon sein 14. Prozess.
Laut Leitender Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl von der Zentralstelle Geldwäschebekämpfung und Vermögensabschöpfung Bayern (ZGV) ist der mehrmals vorbestrafte Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein professioneller Geldwäscher. Jörg W. hatte den DS7 in Italien gemietet. Dort lebt er. Er war vor der Kontrolle nach Köln gefahren. Woher Geld und Gold stammen, habe er nicht erklärt. Bäumler-Hösl ist sicher: Jörg W. war klar, dass es sich „um Vermögenswerte aus kriminellen Aktivitäten handelt“. Das Geld hat sie einziehen lassen. Unfassbar: Der Haftbefehl wurde trotz der erdrückenden Indizien aufgehoben, Jörg W. ist aktuell auf freiem Fuß. Mal sehen, ob er zum Prozessauftakt erscheint. Oder ob dem Meisterdieb wieder die Flucht gelingt.THOMAS GAUTIER