Ein Fest für die Vielfalt

von Redaktion

Hitzeschlacht in Regenbogenfarben: 230.000 beim CSD

Küsschen hier, Küsschen da: OB Dominik Krause busselt seinen Lebensgefährten und auch Terry und Hanna küssen sich vor der Politparade des CSD. © Felix Hörhager/dpa (3)

Konstante Abkühlung ist oberstes Gebot bei diesem CSD in praller Sonne – egal ob per Wasserpistole, mit dem Fächer oder im Stachusbrunnen. © Michaela Stache/AFP (3)

Angeführt wird die Parade wie jedes Jahr von den queeren Bikern, gefolgt von OB Dominik Krause und seinem Lebensgefährten Sebastian Müller (Mi.). © Michaela Stache/AFP

Heiß, heißer, CSD: Bei 37 Grad feiern 230.000 Menschen in der Münchner Innenstadt. Die Parade mit über 200 Wagen führte in diesem Jahr erstmals zur Ludwigstraße. Zum Auftakt versammeln sich gegen Mittag bunt geschmückte Motorräder der Lesbenvereinigung „Dykes on Bikes“ an der Reichenbachbrücke. Angeführt von OB Dominik Krause (Grüne) ziehen die Feiernden Richtung Stachus und weiter zum Odeonsplatz. Wie trotzt Krause der Hitze? „Mit möglichst viel trinken – keinen Alkohol –, viel Schatten und meinem Ventilator“, verrät der OB. Für ihn bedeutet die Pride „Münchner Lebensgefühl“ – politische Demo und große Feier zugleich. Krause ist mit seinem Lebensgefährten Sebastian Müller dabei, der auch den einen oder anderen Kuss bekommt.

Auch Tokio-Hotel-Frontmann Bill Kaulitz lässt sich das Event nicht entgehen. Er fährt im blauen Trikot und in Glitzer-Shorts auf dem Wagen des Burger-Braters „Hans im Glück“ mit. Sein Bandkollege Georg Listing ist ebenfalls dabei. Zwischen den Trucks von Unternehmen wie Flixbus oder Lufthansa zieht die Parade zur Ludwigstraße. Dort warten Foodtrucks, Parteistände und Bühnenprogramm. Viele nutzen Wasserfontänen zur Abkühlung.

Neben dem OB und Kaulitz ziehen an diesem Tag vor allem die Dragqueens viele Blicke auf sich. Mit ordentlich Schminke und teilweise in dicken Kleidern oder sogar Schwanenkostümen schreiten sie über die Straße. Ihnen scheint die Hitze gar nicht so viel auszumachen. Dafür kämpfen andere sehr und legen sich schon zu Beginn auf den Boden in den Schatten. Auch einige Reibereien entstehen. Kurzzeitig sorgt ein rechter Streamer für Unruhe. Eine junge Frau berichtet, sie habe sich durch seine Anwesenheit belästigt gefühlt und nach einem Gerangel Kratzer davongetragen. Zudem sei eine Kette abgerissen. Die Polizei berichtet von zwei Männern mit einer Deutschland-Flagge auf einem Baugerüst, eine angekündigte Gegen-Demo zum CSD sei aber ausgeblieben.

Gegen 14 Uhr treffen die ersten Pride-Mitläufer auf der Ludwigstraße ein und verteilen sich, teils an den verschiedenen Bühnen mit bunten Kultur- und Musikprogramm, aber auch unter all den Wasserfontänen, die zur Abkühlung dienen. „Die Fächer waren eine gute Anschaffung“, sagt Björn Dippon (47), der sich gemeinsam mit Franz B. (40) Luft zufächert und für mehr Sichtbarkeit demonstriert. Beide sehen einen Rückgang gesellschaftlicher Akzeptanz und wollen für ihre Rechte einstehen. In der abgesperrten Partyzone kühlen sich Besucher in den Brunnen der LMU ab, am Siegestor sorgen Wasserschläuche für Erfrischung. Während die DJs den Tag ausklingen lassen, wird deutlich: Niemand muss sich hier verstecken – alle dürfen sich frei und geliebt fühlen, so wie sie sind.MARIE DEGER

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