Der Großteil des Münchner Wassers kommt aus Mangfall (o.) und Loisach. © Imago / Pawlik
Der Hochspeicher im Forstenrieder Park versorgt den Münchner Westen. © SWM
Das Wasser fließt in großen Leitungen zu uns – ohne Pumpen, dank des natürlichen Gefälles in Richtung Norden. © SWM
Das gibt es selten – dass die Stadtwerke die Münchner mahnen, mit Trinkwasser sparsam umzugehen. So geschah es letzte Woche, als die Temperaturen dauerhaft über 30 Grad blieben. „Auch wenn Münchens Trinkwasserversorgung stabil ausgelegt ist, belasten die Hitzewelle und ausbleibende Niederschläge die Wassergewinnungsressourcen“, lautete die Erklärung. Das „extensive Bewässern von Gärten“ solle man sein lassen, das Autowaschen auch. Inzwischen normalisiert sich die Lage. Aber wie steht es um unser Trinkwasser? Ein Experte erklärt, wie die Versorgung in allen Lagen gesichert ist – und woher unser Wasser kommt.
„Wir haben im Voralpenland ein gesichertes Wasservorkommen“, sagt Rainer List, bis 2024 Chef der Wassergewinnung bei den Stadtwerken. Laut ihm versorgen vor allem die Wasserströme im Mangfalltal und Loisachtal die Münchner. Ganze 75 Prozent des Bedarfs stammen vom Taubenberg im Mangfalltal, wo vier Quell-Sammelströme zusammenfließen. Insbesondere in Reisach gebe es eine „sehr ergiebige“ Grundwasserförderung aus Freispiegelgewinnung (das heißt, das Wasser tritt von selbst zutage). In Mühltal und Gotzing wird das Wasser durch Hangquellfassung gewonnen, im Loisachtal durch Horizontal- und Vertikalfilterbrunnen.
Das gesammelte Grundwasser fließt dann in vier großen Hauptleitungen nach München. Von selbst, denn das natürliche Gefälle nach Norden macht Pumpen überflüssig. „Die Leitungen haben einen Durchmesser von bis zu 2,20 Metern“, erklärt List, „dazu gibt es kleinere Leitungen.“
Der Knackpunkt: Reicht einmal das Wasser aus dem Loisach- und Mangfalltal nicht aus, verstärken fünf Förderwerke für Spitzenbedarf die Wasserversorgung. Diese Brunnen liegen bei München in Arget, Trudering, im Forstenrieder Park sowie im Deisenhofener und im Höhenkirchener Forst. „Die SWM-Mitarbeiter studieren jeden Morgen die Bedarfsprognosen sowie das Wetter und steuern den Einsatz dieser Brunnen“, sagt List.
Das durch Brunnen verstärkte Trinkwasser landet dann in drei Hochspeichern im Süden der Stadt. In immer kleiner werdenden Leitungen fließt es zu den Haupthähnen der Häuser, zuletzt bis zum Wasserhahn. Von hier entnehmen 1,6 Millionen Münchner täglich 300 Millionen Liter. Normalerweise. Denn gestern meldeten die Stadtwerke, dass der Wasserverbrauch trotz der jüngsten Sparsamkeitswarnung gestiegen ist: München hat vergangene Woche teils über 400 Millionen Liter pro Tag verbraucht!
Daher rufen die SWM noch einmal nachdrücklich dazu auf, Trinkwasser bis auf Weiteres nur noch zum Trinken, Kochen, für die Hygiene und für medizinische Zwecke zu nutzen.„Man sollte stets sparsam mit der kostbaren Ressource umgehen“, sagt List.ISABEL WINKLBAUER