Vor Gericht: Eine irakische Frau (li.) und ihr mitangeklagter Mann (hinten, re.). © Britta Schultejans/dpa
Im Prozess um die Versklavung zweier jesidischer Mädchen vor dem Oberlandesgericht München hat die Angeklagte ihr letztes Wort für eine knappe Entschuldigung genutzt. „Es tut mir leid“, sagte die 30-Jährige. Ihr ebenfalls angeklagter Ehemann erklärte dagegen: „Ich möchte nichts sagen.“
In dem Verfahren gegen das irakische Ehepaar, das seit etwas mehr als einem Jahr läuft, geht es um unvorstellbare Gräueltaten an den Kindern, um Gewalt, Missbrauch und Folter. Das Urteil will der Staatsschutzsenat am 13. Juli sprechen, dann im neuen Strafjustizzentrum. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft sollten die Frau und der Mann, der am Mittwoch 45 Jahre alt wird, lebenslang in Haft. Zudem forderte die Vertreterin des Generalbundesanwalts in ihrem Plädoyer Mitte Mai die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Paar unter anderem Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, dazu schweren sexuellen Missbrauch von Kindern beziehungsweise Beihilfe.
In ihrem letzten Wort gingen die beiden Angeklagten auf diese Vorwürfe nicht ein. Blass und angespannt saßen sie im Hochsicherheitsgerichtssaal in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Nach etwas mehr als zehn Minuten war der Verhandlungstag dann auch schon wieder beendet. Damit nähert sich ein Verfahren seinem Ende, in dem es während 56 Verhandlungstagen um schreckliche Gräueltaten ging. Das Ehepaar soll im Irak und in Syrien der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angehört haben. So soll sich die Frau ein jesidisches Mädchen zu ihrer Hochzeit gewünscht haben, als Brautgabe. Auf dem Basar in Mossul im Irak sollen die beiden laut Anklage im Herbst 2015 eine damals Fünfjährige als Sklavin gekauft haben, im Herbst 2017 dann eine Zwölfjährige.DPA