Auf der oberirdischen Umleitung geht nichts vor und nichts zurück. © SIGI JANTZ
Gabriele Wörl fährt morgens um 5 Uhr los.
Viel zu spät dran wegen Stau: Autofahrer Anton Maier.
Die Sperrung entspricht in etwa dem Abschnitt zwischen A95 und A96.
Stau in alle Richtungen: Weil der Luise-Kiesselbach-Tunnel Richtung Norden gesperrt ist, kam der Verkehr an der Oberfläche zum Erliegen.
Blechkolonnen, Hupkonzerte, gewagte Ausweichmanöver, blockierte Kreuzungen – nichts ging mehr gestern im morgendlichen Berufsverkehr rund um den Luise-Kiesselbach-Platz. Die gesperrte Tunnelröhre Richtung stadteinwärts brachte den Berufsverkehr fast vollständig zum Erliegen. Es war der erste Tag der vierwöchigen Sperrung im Tunnel. Erst am 3. August soll die Röhre, die wegen eines Lkw-Brands 2024 saniert werden muss, wieder freigegeben werden. Umfahren kann man den Chaos-Knoten als Teil des Mittleren Rings kaum.
„Es ist eine Katastrophe!“, sagt Arzthelferin Gabriele Wörl. Fast zweieinhalb Stunden hat sie heute von Vaterstetten zur Arbeit bei einem Augenarzt am Luise-Kiesselbach-Platz gebraucht. „Das Münchner Verkehrsnetz ist eine einzige Großbaustelle!“
Kritik kommt auch aus dem Rathaus. Die verkehrspolitische Sprecherin der CSU-Fraktion, Veronika Mirlach, moniert, dass es aufgrund der Vielzahl von gleichzeitigen Bauarbeiten nicht mehr möglich sei, eine funktionierende Ausweichstrecke zu finden: „Landshuter Allee, Donnersbergerbrücke, Dachauer Straße, Brücke am Olympiapark, Kreuzhofbrücken, Fürstenrieder Straße – wer Auto fährt, steht überall im Stau. Und wer auf den ÖPNV umsteigen möchte, landet ebenfalls im Chaos: Der Ersatzverkehr der U3/U6 auf der Lindwurmstraße funktioniert nicht. Die Busse sind überfüllt und stecken im selben Stau fest wie die Autos.“
Wegen der Bauarbeiten an der Tram-Westtangente entlang der Fürstenrieder Straße weichen viele Autofahrer bereits auf die Seitenstraßen aus. Die Waldfriedhofstraße ist zugestaut. Am Luise-Kiesselbach-Platz warten die Autos bei Grün mitten auf der Kreuzung. Die geänderte Ampelschaltung auf der Oberfläche bringt da wenig. Mittendrin: Anton Maier. Da ist es 9 Uhr. Dienstbeginn. Er muss aber noch in den Norden, zu BMW. „Es ist nervig!“, sagt er. Auch am Ende der A95: Stillstand und Rückstaus. An den Bushaltestellen bilden sich Menschentrauben, Wartezeiten von 30, 40 Minuten sind angeschrieben. Ein Passant ruft ein Taxi. Aber das steht im Stau.
Gabriele Wörl will morgen noch früher losfahren, um 5 Uhr. „Lieber lege ich mich noch in der Praxis eine Stunde aufs Ohr, als unter Zeitdruck im Stau zu stehen.“DANIELA POHL