MÜNCHNER FREIHEIT

Vom Ende einer großen Liebe

von Redaktion

Vermutlich kennt das jeder: Nach ein paar Jahren ist die große Liebe nur noch so mittelsuper. Man muss entweder eine neue gemeinsame Basis finden – oder eine neue Liebe. Genau an diesem Punkt befinde ich mich derzeit. Meine große Liebe hat sich nicht gut entwickelt: Sie denkt nur noch an Geld und hat die falschen Freunde. Zu mir kommt sehr wenig zurück. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich schreibe hier nicht über eine Frau, sondern über den Fußball.

Der Sport, dem ich ein halbes Jahrhundert lang Zeit, Herzblut und auch zwei Kreuzbänder opferte, langweilt mich urplötzlich. Da kann ein Traumtor nach dem anderen in meinem Fernseher fallen – ich bekomme es erst in der Zeitlupe mit. Denn aus einem Grund, den ich schon drei Sekunden später nicht mehr wusste, habe ich angefangen, auf dem Smartphone Wissenswertes über Hornhautraspeln zu googeln.

So kenne ich mich wirklich nicht. Ich war doch immer der, der die Geburtstage von Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß wusste – oder, als sich meine Liebe zum FC Bayern etwas verwachsen hatte, das Kampfgewicht von Sascha Mölders. Bei einem Tor riss ich früher die Arme in die Höhe, heute zucke ich nur mit den Schultern. Woher kommt das? Vom Überangebot? Man bedenke: In meiner Kindheit kam vielleicht einmal im Monat ein Fußballspiel live im Fernsehen. Heute könnte ich mir rund um die Uhr irgendein Spiel anschauen. Von den Männern auf dem Feld kenne ich dabei weder Geburtstag noch Kampfgewicht und ganz oft nicht einmal den Namen.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich mir Mut zugesprochen: Meine Begeisterung für die Fußball-WM komme bestimmt noch, wenn das deutsche Team erst einmal das Achtelfinale erreicht. Aber jetzt ist die Nationalmannschaft schon aus dem Turnier ausgeschieden, bevor ich überhaupt hineingefunden habe. Und ich? Ich zucke wieder nur mit den Schultern und freue mich über die Initiative der Stadt München, sich für die Leichtathletik-WM 2029 oder 2031 zu bewerben. Auf Leo Messi folgt Leo Neugebauer in meinem Herzen.

Für diejenigen, die nicht bis 2029 oder 2031 warten wollen: Am Sonntag steigt auf dem Königsplatz das Münchner Sportfestival. Der frustrierte Fußballfan kann dabei an einem einzigen Tag über 60 neue Sportarten ausprobieren. Hat was von Speed-Dating. Und wer weiß, vielleicht finde ich ja dort eine neue große Liebe? – Pickleball klingt zum Beispiel nicht uninteressant. Der Deutsche Meister heißt übrigens Steffen Hallen. Seinen Geburtstag finde ich noch heraus.

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