MÜNCHNER FREIHEIT

Sommerliche Geräuschkulisse

von Redaktion

Um es mit Marius Müller-Westernhagens Worten zu sagen: „Es geht mir gut!“ Um nicht zu sagen sehr gut – ich kann und will mich nicht beschweren. Diese Kolumne wurde nämlich im Garten einer Ferienwohnung im Hinterland von Lazise geschrieben. Morgens um halb sieben. Da scheint die Sonne noch milde, es weht ein angenehmes Lüftchen und es herrscht eine angenehme Ruhe. Nur der Laptop, meine Idee, mein Kaffee und ich. Nicht lange, dann nämlich meldet er sich, der laute Sommerbegleiter: die Singzikade.

Pünktlich ab 7.15 Uhr bis in die Dämmerung. Die genaue Endzeit weiß ich gar nicht, weil ich sie zwischendurch nicht mehr wahrnehme. Diese Viecherl brauchen die Wärme, weil sie nur zwischen 22 und 36 Grad Celsius aktiv sind. Ihr „Gesang“ kann dabei eine extreme Lautstärke von bis zu 120 Dezibel erreichen. Das ist ungefähr so, wie wenn Sie in der Disco direkt neben dem Lautsprecher stehen. Sie wollen damit Weibchen anlocken und nebenbei ihr Revier markieren. Mit diesem Gesang? Nur am Rande: Weibliche Zikaden sind meist stumm, nur einige wenige sind in der Lage, ein kurzes, klickendes „Ja“ durch speziellen Flügelschlag während dieser Paarungszeit zu senden. Da sage noch einer, dass immer nur Damen viel reden!

Dieses permanente „Zikadieren“ gehört für mich zu einem Italienurlaub einfach dazu. Hier aber auch noch im Speziellen das Maunzen der beiden Nachbarskatzen, die sich jedes Jahr an mich erinnern, weil ich Leckerlis mit Katzenminze mitbringe. Reagiere ich am frühen Morgen nicht sofort mit Fütterung nach deren Erscheinen, werde ich auch mit gut wahrnehmbarer Lautstärke angemaunzt.

Hinter der Hecke am Ende unseres Gartens führt ein Weg Richtung dem kleinen Supermarkt, auf dem die Italiener anscheinend besonders gerne telefonieren. Wahrscheinlich wird nochmal nachgefragt, was einzukaufen ist, oder es wird berichtet, was gekauft wurde und es gleich zum Essen gibt. Diese Gespräche übertönen manchmal die stimmgewaltigen Zikaden. Auch nur ein paar Meter entfernt ist ein Fußballplatz, von dem man das Wehklagen deutlich hören kann, wenn ein Ball das Tor verfehlt hat. Vielleicht ist es auch immer noch der Schmerz, bei der WM gar nicht dabei gewesen zu sein. Das können wir nach unserer Stippvisite nachempfinden, und das absolut geräuschlos.

Aber mein allerallerliebstes Sommergeräusch hier in Italien und auch in München ist das Brummen einer Original-Vespa. Mehr Italien geht nicht. Ich fände es jammerschade, wenn irgendwann nur noch elektrische Vespas (Vespen?) rumfahren würden. Klar kann ich sie dann immer noch sehen, die Fahrer in kurzen Hosen, mit FlipFlops an den Füßen und die Damen mit wehenden Röcken – aber das unverkennbare Knattern zu hören, das macht für mich einen Sommer in Italien aus. Basta!

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