Die Nazarethkirche in Bogenhausen wird derzeit von einer katholischen Gemeinde genutzt. Bald soll eine äthiopisch-orthodoxe Gemeinde folgen. © Markus Götzfried, Marcus Schlaf
Knatsch im Bezirksausschuss Bogenhausen zwischen SPD und Grünen einerseits und der CSU andererseits. Auslöser ist ein Gespräch zur Zukunft des Grundstücks der Nazarethkirche, zu dem die CSU-Mitglieder Robert Brannekämper, Jens Luther und Florian Ring einen Tag zuvor Anwohner der Parkstadt Bogenhausen per Briefkasten-Flyer eingeladen hatten. Nach der Fusion der evangelischen Nazareth- mit der benachbarten Immanuelgemeinde ist das denkmalgeschützte Gebäude an der Barbarossastraße quasi übrig und soll eine neue Nutzung finden. Zuletzt wurde es interimsweise an die katholische Gemeinde von Pfarrer Rainer Maria Schießler vermietet. Nun steht die Nutzung durch eine äthiopisch-orthodoxe Gemeinde im Raum.
Von den Anliegern gebe es dazu Fragen, die sie äußern dürften, ohne gleich als fremdenfeindlich verurteilt zu werden, findet die CSU. Schon bei den Katholiken habe es in der Nachbarschaft Sorgen zu Verkehr und Parkplätzen gegeben. Daher habe man den Anwohnern ein Gespräch in „einem geschützten Bereich ohne Presse und ohne interessiertes Publikum aus der ganzen Stadt“ angeboten.
Sauer aufgestoßen ist bei einigen BA-Kollegen die Verwendung von Logos auf der Einladung. Brannekämper nutzte den Landtag, die beiden anderen das kleine Münchner Stadtwappen. Bei einer Parteiveranstaltung nicht zulässig, meinte BA-Chef Samuel Moser (Grüne), der das Direktorium um Klärung gebeten hat. Zudem verurteilte Moser, dass die CSU Stadtdekan Bernhard Liess ausgeladen hatte. Dabei hätte der doch aus erster Hand informieren können. Der Dekan habe sich deshalb beim BA beschwert. „Er war nicht der Einzige, der nicht reingelassen wurde“, schimpfte Fabian Sauer (Grüne). Es sei der CSU primär um ein Aufreger-Thema gegangen, um dann „im Rumpelstilzchen-Style“ vorzugehen. „Es stellt sich die Frage, ob dieser Zirkus bei einer katholischen Gemeinde auch aufgeführt worden wäre.“
„Das war eine Mandatsträgerveranstaltung“, und damit sei ihm als Stadtrat das Wappen erlaubt, erwiderte Luther. Schon vor Monaten habe er Liess gebeten, die Anlieger in die Entscheidungen einzubeziehen. Doch das Dekanat will erst informieren, wenn alles spruchreif ist. „Damit wird alles über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden.“ Die Sorgen der etwa 20 Anwesenden würden jetzt an die Kirche weitergegeben. „Da war null Aufregung, es fiel kein einziges fremdenfeindliches Wort, ich verstehe das Theater hier überhaupt nicht.“ Dass die CSU jetzt für ihre Kommunikation mit den Bürgern verurteilt werde, sei unverständlich, findet Luther. „Ich halte das für unsere Mandatsarbeit“, sagt auch Brannekämper.CARMEN ICK-DIETL